
einem Komponisten, der ihm vorgestellt wurde und der wie üblich von der
Vereinsamung des Künstlers in der rohen Welt jammerte. - Ein Dichter! So musste
es sein.
    Noch Abends beim Dinner im St. James Restaurant, wo er, das Parisian Dinner
zu 5 Shilling verschmähend, für 3 Shilling ein opulentes Table d' hôte zu den
Klängen einer Musikkapelle einnahm, grübelte er über dies Thema weiter. Es
beschäftigte ihn so, dass er erst am andern Tage dazu kam, beim Botschafter
vorzusprechen.
    Dieser empfing ihn mit der Auszeichnung, die einem Krastinik gebührte
(selbst wenn dieser halt nur ein jüngerer Sohn war) und stellte sich völlig zu
seiner Disposition, wenn er ihm mit etwas dienen könne. »Wünschen Sie vielleicht
bei Hofe vorgestellt zu sein, mein teurer Graf?«
    »Excellenz verzeihen, wenn ich auf die hohe Ehre verzichte. Ich bin
gleichsam auf der Durchreise in London..«
    »Gleichsam incognito. Verstehe.« Excellenz sagten das mit einer so
eingefleischt wichtigen Amtsmiene, als ob hinter diesem »Verstehen« ein
wichtiges diplomatisches Geheimnis stecke. »Aber in die Gesellschaft wünschen
Sie doch wohl eingeführt zu werden?«
    Auch dies lehnte Krastinik ab. Als der verwunderte Gesandte aber in ihn
drang, wenigstens den Rout der herrschenden Saison-Schönheit mitzumachen, der
demnächst stattfinde - er sehe die Herzogin noch heut Abend und verbürge sich
für sofortige Einladung -, sagte er zu.
    Sie plauderten noch einige Zeit über - Nichts, wie nur geborene Aristokraten
dieses vornehme Tätteln in anmutiger Ungezwungenheit verstehen.
    Zum Abschied empfahl ihm der Vertreter der vierten Grossmacht, doch ja das
Kochbuch seines verehrten Kollegen, des deutschen Botschafters Graf Münster, zu
studieren. Krastinik fühlte sich befriedigt, als er die Marmorstufen
hinabschritt, dass er diese lästige Pflicht erfüllt hatte.
    Seufzenden Herzens machte er sich sodann gen Regentsstreet auf und verfügte
sich zu Nicoll's, um einen Frack nach Londoner Schnitt mit Seidenaufschlägen zu
erwerben, die man dort vorrätig findet für jedes erdenkliche Leibesmass.
    Mit dem stolzen Bewusstsein, dass der Prinz von Wales einen ähnlichen Frack
mit seinem allerhöchsten Geschmack zu beehren geruht habe, wie wenigstens der
Atelier-Maitre versicherte, kehrte er heim.
    Düster philosophirte er über die Hässlichkeit dieses Kleidungsstücks, indem
er sich im Spiegel musterte. dabei ertappte er sich bei dem Gedanken, der ihm
blitzschnell durchs Gehirn huschte: »Dichter sollten sich poetischer kleiden!«
 
                                      II.
Egremonts waren Sonnabend »at home«, wie ihn eine Karte belehrte, die fast
zugleich mit der Einladungskarte der Herzogin, bei welcher er anstandsgemäss eine
Karte abgeworfen hatte, bei ihm eintraf.
    Ein Billet seiner Tante und Gönnerin belehrte ihn, wer Egremonts seien. Mr.
Egremont ein vielfacher Millionär, der sich von
