, vom
Träger fallen gelassen und übel lädirt. Durch einen ausgeführten Karton hatte
der kleine Bube des Portiers, der in seinem Atelier bei einer Reinemacherei in
seiner Abwesenheit spielte, mit einer großen Latte, wie man sie zum Anlehnen des
Armes beim Malen benutzt, ein brettes Loch gestoßen. Überall alberne
Widerwärtigkeiten, überall Ärger und Quängelei, selbst wenn man sein Aeusserstes
darangesetzt.
    Hier diese Armverzeichnung, dort jene unrichtige Verkürzung. Hier hätte die
coloristische Stimmung durch eine geringe Änderung sehr gewinnen können, dort
hat ein zu grell gegriffener »Ton« die ganze Einheitlichkeit des Kolorits
verdorben. Und was in der Kunst einmal geschah, ist nicht mehr zu repariren. O
die Kunst, welche Folter! Wie ist sie unerlernbar, und je höher das Ziel
gesteckt, desto schwerer! Und hinterher die naseweisen Redensarten des Publikums
und gar der Recensenten, wo sich Jeder nur an die auffälligen Mängel und Wenige
an die auffallenden Vorzüge klammern!
    Allerdings musste er sich bekennen, nachdem er sich drei Tage lang in diese
Selbstquälerei eingewühlt, dass die Verbesserungen und Umänderungen, die er
vornehmen wollte, im Grunde wenig änderten. Bei Manchem hatte er obendrein die
praktischen Verhältnisse nicht bedacht, als er in seinem Verbesserungs-Delirium
plötzlich an einige Besitzer seiner Werke schrieb, man möge ihn an den alten
Sachen künstlerische Verschönerungen versuchen lassen. Man erwiderte ihm
höflichst, dass dies jetzt zu spät sei, dass man das Werk in dieser Form
liebgewonnen habe, dass eine Umänderung selten eine Verbesserung sei. Es ist ein
Fluch des Künstlers, dass seine Werke stets nur in der Form fortleben sollen, die
er ihnen zuerst verlieh. Keine Verbesserung wird genehmigt. Und ebenso quält die
Betrachtung den Künstler, nachdem er sich über etwaige Fehler und notwendige
Verbesserungen das Gehirn zermartert, dass im Grunde genommen diese Fehler gar
nicht so störend wirkten und vielleicht sogar einen gewissen Reiz besaßen,
während das nutzlose Grübeln darüber nur zeitraubend sein konnte.
    Was einmal geschehen, ist nicht mehr zu ändern.
    Es gibt Autoren, die sich ewig über die Druckfehler ärgern, welche sie -
und bekanntlich immer neue - in ihren Büchern entdecken. Ebenso geht es mit den
Fehlern überhaupt. Nach solchem Maßstab würde bei jeder Leistung das nonum
prematur in annum nötig sein. Allerdings gibt es Momente, wo dem Künstler die
ungeheure Pein, Entsagung und Arbeitskraft, wie in eine Masse zusammengeballt,
überwältigend naherücken, welche sein Beruf von Jugend an erfordert. Nichts auf
der Welt lebt, was sich den Leistungen des wahren Künstlertums vergleichen
ließe, und nichts wird verhältnismäßig so wenig belohnt. Wenn schon die
erfolgreiche Arbeit so viel Opfer kostet, wie viel mehr erst die erfolglose,
erfolglos in künstlerischem oder in roh materiellem Sinne! Welche namenlose Qual
liegt in dem Gedanken,
