 dem Schreibtische des Hofrats
dreimal.
    »Na?« sagte Peter Uhusen aufblickend. »Habe ich so lange Zeit an seinem
Lager und jetzt eben hier über der Aufzählung seiner Verdienste versessen?«
    Drei! klang es sonor von einer Rokokokonsole hinter dem Rücken des langen
Peters. Drei! klang es fein silbern aus dem Nebengemach und noch einmal und noch
einmal und noch einmal, bald näher, bald ferner, bald lauter, bald leiser, aus
allen Zimmern.
    »Das reine Kloster San Juste!« sprach kopfschüttelnd der Schmied von
Jüterbog. »Na, na, ob dieser Kaiser Karl der Fünfte da nebenan in seiner
Schlafkammer vor seinem großen Stehspiegel wohl genauer als der andere von
seinen vielen Uhren erfährt, was es für den Menschen an der Zeit ist? Nun, Gott
sei Dank, da ist er wenigstens noch einmal außerhalb seines Katafalks, der
wohlgepflegte, blondbärtige, gut erhaltene, mittelalterliche gelehrte Germane,
der Liebling seines Publikums und, weiß der Teufel wie's zugeht, mir auch noch
immer eine meiner angenehmsten Erinnerungen aus den Tagen der Vergangenheit.«
    Hiermit legte der Freund dem Freunde beide Hände auf die Schultern, und so
standen beide Männer noch einmal im Leben einander vertraulich gegenüber und
unterwarfen jeder den andern einer kurzen, aber scharfen Prüfung. Und sie hatten
beide das Gefühl, dass weder der Ernst noch der Scherz, weder die Lust noch der
Schrecken der Sterblichkeit sie noch einmal so Brust an Brust, Schulter an
Schulter zusammenführen werde. Sie hatten beide die volle Gewissheit, dass die
gespenstische Klinge, dieser Degen des Leutnants Wolf Hegewisch, nimmer in den
halbvergessenen Schlachten so scharf zugeschlagen habe wie heute an diesem
grauen Herbsttage, in dieser stillen, behaglichen Arbeitsstube.
    »Wenn der Herr Hofrat wirklich sich wohl genug fühlen, so hält der Wagen
unten vor der Tür«, meldete Rupfer mit einem bedenklichen Blick auf den
unheimlich gesunden Gast mit dem Stock, dem Säbel, dem einen Auge und den
anderthalb Fäusten, der »so ganz tat, als ob er überall zu Hause sei, aber hier
bei uns am allermeisten«.
    »Wir fühlen uns wohl genug«, sagte Uhusen, ohne auf etwas anderes als auf
den Jugendgenossen zu achten. »Sie können gehen, junger Mann; ich werde dem
Herrn Hofrat selber in den Pelz helfen. Alle Wetter, wie häufig habe ich mich
vergeblich in den Winternächten im Kriege und im Frieden des Lebens nach einem
ähnlichen gesehnt. Ja, dem geschorenen Schaf sänftigt Gott den Wind, das ist
auch so eine von den vielen schönen Redensarten, wie sie der Mensch, sehr wenig
zu seinem eigenen Trost, erfindet.«
    Immer mehr wurde der Liebling des gebildeten Publikums wie Wachs unter den
Händen des rauen Patrons
