 seinen Füßen.
    Er saß, er ging, er lief, und er - Hofrat Dr. Albin Brokenkorb - nahm die
bei seinem Diener Rupfer abgegebene Visitenkarte mit auf seiner nächtlichen
Wanderung. Er schlang den Lederriemen dieses Stocks um das eigene Handgelenk und
stieß mit der eisernen Zwinge dann und wann fest auf über dem jour fixe seiner
Haus- und Lebensgenossen. Auf und ab schritt er mit dem Handwerksgesellenstabe
über den weichen Teppich seines Studierzimmers, und er - Albin Brokenkorb, der
da gemeint hatte, sehr müde nach Hause gekommen zu sein, hatte sich in
Wirklichkeit müde zu laufen, ehe er von neuem in seinen Stuhl sinken und den
Stock wieder vor sich auf den Tisch legen konnte.
    »Uhusen!« murmelte er, als er so weit war. Wir, nachdem wir ihn so weit
haben, sehen uns zuerst ein wenig genauer bei ihm um. Das ist in mehr als einer
Hinsicht der Mühe wert. -
    »O wie himmlisch, o wie reizend!« pflegten die Damen zu rufen, die Hofrat
Dr. Brokenkorb dann und wann durch seine Wohnräume zu führen hatte, alle jene
jüngeren und älteren, jungen und alten Damen, welche er in der Gesellschaft
kennengelernt hatte oder welchen die Vergünstigung zuteil geworden war, ihn
durch seine weit durchs deutsche Land gekannten und geschätzten Vorträge über
die Symbolik des -, über die Mystik der -, über die Ästetik des und der -
kennen und verehren zu lernen. Und sie hatten vollkommen recht mit ihren
Ausrufen. Ja noch mehr, es war nicht nur himmlisch und reizend, sondern es war
auch im höchsten Grade behaglich um diesen allgemeinen Liebling der bessern und
besten Kreise her. Auch Runne & Plate wussten das und schätzten es an ihm.
    Als vermöglicher Junggesell von jener stillnervösen Sorte, die sich ebenso
ungern stören lässt, als sie andere stört, befriedigte dieser Mieter alle
Ansprüche an den Hausbesitzer um der lieben Ruhe willen und des bessern
Geschmacks wegen aus eigenem Geldbeutel; und Runne & Plate würden in der Tat
sehr anspruchsvoll gewesen sein, wenn sie einen noch angenehmeren Bewohner ihres
zweiten Stockwerks als diesen Hofrat für möglich gehalten hätten. Er aber hatte
sich bei ihnen eingerichtet und ausgebreitet. Durch alle Räume zeugten Wände,
Decken und Fussböden davon, dass er als Sammler und mit dem Talent zum Abstäuben
geboren worden sei und dass er bis zu seinem jetzigen Lebensjahre nicht aufgehört
habe, zusammenzutragen, mit zierlichem Verständnis zu ordnen und mit zarter
Neigung Federwedel und - Wischtuch in Tätigkeit zu erhalten. Was sie nicht
sagten, aber dachten (die den Mann mit Mama usw. besuchenden Damen nämlich),
war: O wie schade, dass die in dieser Hinsicht entzückendsten männlichen Wesen
sich nur zu häufig so schwer entschließen, unsere Hilfe dabei
