 hatte.
    Hinckeldei! Das war nun an die zwanzig Jahr, dass der damals Allmächtige zu
Tode kam, und alles, was bei der Nachricht davon in seinem Elternhause
gesprochen worden war, das stand jetzt wieder lebhaft vor seiner Seele. Vor
allem eine Geschichte kam ihm wieder in Erinnerung. Einer der bürgerlichen,
seinem Chef besonders vertrauten Räte übrigens, hatte gewarnt und abgemahnt und
das Duell überhaupt, und nun gar ein solches und unter solchen Umständen, als
einen Unsinn und ein Verbrechen bezeichnet. Aber der sich bei dieser Gelegenheit
plötzlich auf den Edelmann hin ausspielende Vorgesetzte hatte brüsk und
hochmütig geantwortet: »Nörner, davon verstehen Sie nichts.« und eine Stunde
später war er in den Tod gegangen. Und warum? Einer Adelsvorstellung, einer
Standesmarotte zuliebe, die mächtiger war als alle Vernunft, auch mächtiger als
das Gesetz, dessen Hüter und Schützer zu sein er recht eigentlich die Pflicht
hatte. »Lehrreich. Und was habe ich speziell daraus zu lernen? Was predigt dies
Denkmal mir? Jedenfalls das eine, dass das Herkommen unser Tun bestimmt. Wer ihm
gehorcht, kann zugrunde gehen, aber er geht besser zugrunde als der, der ihm
widerspricht.«
    Während er noch so sann, warf er sein Pferd herum und ritt querfeldein auf
ein großes Etablissement, ein Walzwerk oder eine Maschinenwerkstatt, zu, draus,
aus zahlreichen Essen, Qualm und Feuersäulen in die Luft stiegen. Es war Mittag,
und ein Teil der Arbeiter saß draußen im Schatten, um die Mahlzeit einzunehmen.
Die Frauen, die das Essen gebracht hatten, standen plaudernd daneben, einige mit
einem Säugling auf dem Arm, und lachten sich untereinander an, wenn ein
schelmisches oder anzügliches Wort gesprochen wurde. Rienäcker, der sich den
Sinn für das Natürliche mit nur zu gutem Rechte zugeschrieben, war entzückt von
dem Bilde, das sich ihm bot, und mit einem Anfluge von Neid sah er auf die
Gruppe glücklicher Menschen. »Arbeit und täglich Brot und Ordnung. Wenn unsre
märkischen Leute sich verheiraten, so reden sie nicht von Leidenschaft und
Liebe, sie sagen nur: Ich muss doch meine Ordnung haben. Und das ist ein schöner
Zug im Leben unsres Volks und nicht einmal prosaisch. Denn Ordnung ist viel und
mitunter alles. Und nun frag ich mich, war mein Leben in der Ordnung? Nein.
Ordnung ist Ehe.« So sprach er noch eine Weile vor sich hin, und dann sah er
wieder Lene vor sich stehen, aber in ihrem Auge lag nichts von Vorwurf und
Anklage, sondern es war umgekehrt, als ob sie freundlich zustimme.
    »Ja, meine liebe Lene, du bist auch für Arbeit und Ordnung und siehst es ein
und machst es mir nicht schwer..
