 im Sommer;
in unbestrittenem Glanz leuchtete der Mond, und die von seinem Licht übergossene
Wiese glich einem ruhigen Wasserspiegel. Still weideten die Pferde. Pavel hatte
sich in seiner Wächterhütte ausgestreckt, die Arme auf den Boden, das Gesicht
auf die Hände gestemmt, und beobachtete seine Schutzbefohlenen. Die Fuchsstute
des Bürgermeisters, die weissmähnige, war früher sein Liebling gewesen; seitdem
er aber den Sohn des Bürgermeisters hasste, hasste er auch dessen Fuchsstute. Sie
kam, auf alte Freundschaft bauend, zutraulich daher, beschnupperte ihn und blies
ihn an mit ihrem warmen Atem. Ein Fluch, ein derber Faustschlag auf die Nase war
der Dank, den ihre Liebkosung ihr eintrug. Sie wich zurück, mehr verwundert als
erschrocken, und Pavel drohte ihr nach. Er hätte alles von der Welt vertilgen
mögen, was mit seinem Nebenbuhler in Zusammenhang stand. Das Versprechen der
Vinska flößte ihm kein Vertrauen ein; es war viel zu rasch gegeben worden, viel
zu sehr in der Weise, in welcher man ein ungestümes Kind beschwichtigt.
    Sie will kein Geschrei, kein Aufsehen; sie tut ja seit einiger Zeit so
ehrbar, hat ihr früheres übermütiges Wesen, ihre Gleichgültigkeit gegen die
Meinung der Leute abgelegt. Die Angst und Hast, mit der sie ausgerufen hatte:
»Es soll nicht heißen, dass zu uns Briefe kommen aus dem Zuchthaus«, klang dem
Pavel noch im Ohr. Er meinte, das Blatt an seiner Brust brenne; er griff danach
und zerknüllte es in der geballten Faust. Was brauchte sie ihm aber auch zu
schreiben, die Mutter? Hatte sie noch nicht Schande genug über ihn gebracht? Sie
stand zwischen ihm und allen andern Menschen. Zwischen ihn und die Vinska, die
so viel bei ihm galt, sollte sie ihm nicht treten... In seinem tiefsten Innern
glaubte, ja wusste er: seine Mutter hat das nicht getan, dessen man sie
beschuldigt, und dennoch trieb ihn ein dunkler Instinkt, sich selbst zu
überreden: Es kann wohl sein... Und aus dem schwankenden Zweifel wuchs ein
fester Entschluss hervor: Ich will nichts mehr mit ihr zu tun haben. Ihren Brief
zerriss er in Fetzen. Auf dem letzten, den er in der Hand behielt, waren noch die
Worte zu lesen: »Deine Mutter die ärmste auf der Welt...« Das bist du, musste er
doch etwas wehmütig berührt zugestehen, das bist du von jeher gewesen... Ihre
große Gestalt tauchte vor ihm auf in ihrem Ernst, in ihrer Schweigsamkeit.
Abends erliegend unter der Last der Arbeit, der Not, der Misshandlung, am Morgen
wieder rastlos am Werke. Er sah sich als Kind an ihrer Seite, von ihrem Beispiel
angeeifert, schon fast
