 ins Freie zu einer klassischen
Gambrinuskultstätte, so darf er sich nur dem ersten besten Pilgerchor
anschließen und sich vertrauensvoll fortziehen und drängen und treiben und
stoßen lassen, schließlich wird er ganz unfehlbar an der rechten Stelle
angeschwemmt. In Sälen, Hallen, Gärten, die oft über zweitausend Biergläubige
fassen, wird auch er noch einen Platz und einen Masskrug, etwas Schweinernes oder
Kälbernes finden, um sich für alle Fährlichkeit und Drangsal des Weges zu
entschädigen und seines wahren Münchener Lebens und Strebens froh zu werden.
Amen.«
    »Brav, mein Junge, Gott hat Deine Münchener Studien gesegnet. Der Münchener
ist aber nicht nur Bier-, er ist auch Kunststädter erster Ordnung. Sag' mir auch
über die Kunststadt Deinen Spruch!«
    »Ach, die Kunst ist zu lang - und es mischt sich so viel Fabel und Dichtung
hinein, dass man bei der herrschenden Hitze und Meinungsverschiedenheit nur im
Schatten der Masskrüge davon reden soll. Also lass uns erst Deckung suchen. Du
kommst ja doch zur Königsfeier wieder, da kannst Du Dir aus der großen
Künstlerparade mit ihrem Drum und Dran selbst Belehrung schöpfen. Ich glaube
übrigens, dass in München mehr vorzügliche Biere gebraut, als vorzügliche Bilder
gemalt werden und dass der Bierexport weit mehr Geld nach München bringt, als der
Bilderexport. Die Industrie hat die Kunst überflügelt, was auch kein Unglück
ist.«
    »Hör' mal,« sagte der alte Bonzhaf, sich mühsam erhebend, »an diese
Königsfeier glaub ich nicht. Wie soll sich so etwas mit der schauderhaften
Geschichte von des Königs Irrsinn und Entmündigung zusammenreimen lassen? Den,
Bayern möcht' ich mir doch ansehen, der noch Lust verspürte, unter solchen
Umständen Jubelfeste zu begehen ...«
    »Also glaubst auch Du, dass Ludwigs Regierungstage gezählt sind?«
    »Jawohl, glaub' ich das. Es geht nicht mehr anders.«
    »Mir kommt's unglaublich vor. Ich fass' es erst, wenn man's mit allen
Glocken läutet, an allen Strassenecken verkündigt ...«
    - - - -
    Eine Woche später verkündeten Plakate an allen Strassenecken, dass sich das
Ungeheuere und Unabwendbare vollzogen. Der Schicksalsspruch war gefallen. In
dumpfer Trauer, sprachlos, verwirrt von so viel Unglück im erhabenen
Königshause, vernahm ihn das Volk. Dunkel sind die Wege der Vorsehung.
    Max v. Drillinger saß mit Fifette am Frühstückstische des Gastofes zur
Sonne in Riva am Gardasee. Er war in denkbar schlechtester Laune, sein Blick war
bald stumpf nach innen gekehrt, bald irrlichtelierte er in jähem Glanze. Sein
Gesichtsausdruck war übernächtig, verzerrt, die Farbe käsig; strohern hingen die
Haare über die durchfurchte Stirn. Seine blasse Hand zitterte, als er die Tasse
an die
