
Hund an einem Knochen, den er sich in der Gosse erschnüffelt, so wird sie für
das entwischte Opfer sich flugs ein neues suchen. Die verfolgende Meute der
menschlichen Blutunde muss die Spur verlieren ... Ja, er wird sich der Hetze
durch eine Frühlingsfahrt entziehen ... Brigitta hat sich ja wieder erholt und
die Einsamkeit wird auch ihr doppelt gut tun, wenn sie von seinen Nervositäten
nicht mehr zu leiden hat ... Und dem Weiler einen geharnischten Schreibebrief
zum letzten Gruß, der Zähne und Hörner haben soll, damit er sich sputet, den
verfahrenen Finanzkarren wieder auf glatte Bahn zu bringen ... Vielleicht wäre
es auch empfehlenswerter, mit dem Rassler die Sache schriftlich abzumachen; da
weicht man unangenehmen Gegenreden aus und hat die eigene Rede vollkommen in der
Gewalt; zudem ist es nicht klug, noch einmal das Haus zu betreten, das so
störende Erinnerungen weckt ... Im übrigen soll der dicke Kommerzienrat sich
selber seiner Haut wehren ...
    »Aber dem Tristaniden Doktor Trostberg, dem könnte ich den erbetenen Besuch
abstatten. Wenn ich nur nicht seine Redseligkeit fürchtete, heute, wo mir
ohnehin der Kopf summt. Ich werde ihm ein willkommenes Studienobjekt sein. Eine
abstrakte Natur, wird er sich wenigstens nicht in meine persönlichsten
Angelegenheiten eindrängen. Er sieht im Einzelnen nur das Allgemeine. Er ist ein
kühler ein frostiger Schematisierungsfanatiker. Seine Art, das Leben zu
betrachten, wird mir gerade jetzt wohl tun, wie ein kaltes Sturzbad einem -
erhitzen Kopf. Ich geh' zu ihm ... Na, er wird Augen machen ... Mit meinem
optimistischen Widerpart wird's freilich nicht weit her sein ...«
    Als Drillinger aus dem Schattenkreise der Kastanien treten wollte, kam eine
lebhaft plaudernde Gruppe über den Steg am Wehr geschritten. Es waren drei
Männer mit Cylinderhüten und hellfarbigen, kurzen Frühjahrsüberröcken.
Drillinger trat rasch ein par Schritte zurück und lehnte sich an einen Stamm. In
der Mitte des Steges blieben die Cylinderhüte stehen, vor der altertümlich aus
Stein gehauenen Statue des heiligen Nepomuk mit dem, dürren Mooskranz, der im
Scheine der nahen Gasflamme den Hals der grauen Bildsäule wie ein braungoldener
Wulsttragen umschloss.
    »Teufel noch einmal,« sprach Drillinger für sich, »die stehen genau so da,
wie das Cylinderkleeblatt, das ich einigemale an der Ecke des Gärtnerteaters
bemerkt habe. Die reißen Witze über den armen Brückenheiligen, wie man an der
Bewegung der Cylinder und an dem Lachen merken kann. Die Worte verschlingt das
tosende Wasser. Ich stehe selbst so da wie ein Marterl ...« Dass ihm das dumme
Bild von damals wieder in den Sinn kommen musste. Er ärgerte sich über sich
selbst und die Andern.
    Jetzt kamen
