, das Brausen des Sturmes, das Heulen des Windes, das Pfeifen
des Hagelschlages, das Rollen des Donners, das Säuseln und Schauern der Luft,
der Gesang der Vögel, das Plätschern des Baches, das Murmeln des Quells und so
weiter hervorrufen? Für den denkenden und phantasievollen Menschen ist hier auch
eine ganz andere Fülle innerer Gesichte und Gedankenverkündungen, als in der
wort-und gedankenlosen Instrumentalmusik für großes und kleines Orchester.
Sublim, rufen unsere Musiklärmschwärmer! Dann ist die Münchener Bockmusik auch
sublim, und die Tanzmusik nicht weniger erhaben, als die prätentiösen
Konzert-Ouvertüren Mendelssohns und Schumanns ...«
    Der Musiker hatte den Kopf zurückgeworfen, die Zigarrette mit den Zähnen
zerbissen und drückte und kneipte jetzt mit den langen, knochigen Fingern an
seinem Halse herum, als würge ihn etwas zum Ersticken. Endlich brachte er
zerhackt die Frage heraus: »Aber die Verbindung von Wort und Ton, die
Verschmelzung von Poesie und Musik zu völliger Einheit, wie in Wagners
Musikdramen, lassen Sie gelten?«
    »Bedingungsweise, Poesie und Musik vereinigt, aber unter Vorherrschaft der
Poesie.«
    »So, so. Da werden wir uns hart tun. Übrigens grau ist alle Theorie. Das
fertige Kunstwerk entscheidet. Wenn Sie erst einmal eine meiner Hauptschöpfungen
gehört, empfunden, sozusagen erlebt haben, denken Sie - ich wage das zu hoffen -
über gewisse fundamentale Punkte vielleicht weniger schroff. Aber lassen wir das
heute auf sich beruhen. Noch etwas Anderes ließ mich auf des Herrn Zwerger
Andeutungen hin die Ehre Ihrer Bekanntschaft suchen ...«
    »Herr Zwerger, ja, ja, der ist immer stark in Andeutungen. Er hat
merkwürdige Schrullen. Wie geht's ihm denn? Ich habe so lange nichts mehr von
ihm gehört. Nach Epochen absoluter Ruhe pflegt er loszubrechen wie ein
scheintoter Krater und seine Briefe und Mitteilungen kommen dann glühend
dahergerast wie verheerende Lavaströme. Gegenwärtig scheint seine vulkanische
Natur in der Ruheperiode zu sein.«
    »Ich kenne ihn nur so weit, dass ich ihn als einen ungewöhnlichen Menschen
schätzen lernte. Es scheint ihm gut zu gehen. Meine Beobachtung stimmt mit der
Ihrigen. Er ist ein wunderbares Gemisch von Sanftmut und Wildheit, von Ruhe und
zehrender Ungeduld. Ein scheintoter Krater, wie Sie sehr richtig sagen. Also: er
machte mir Andeutungen von Ihren einflussreichen Beziehungen zu Bayerns erhabenem
Kunstfürsten in Ihrer Eigenschaft als geheimer Hof-Teaterdichter.«
    »Erlauben Sie, da ist er in einem Wahn befangen wie so viele, die wenigstens
besser unterrichtet sein könnten. Was für Klatschereien über die Umgebung des
Königs und seine intimsten Verhältnisse machen heute die Runde um die Welt!«
    »Je nun, Hochachtung vor Ihrer Bescheidenheit, Herr Doktor; mir dürfen Sie
in aller
