 nur
einen sehr geringen Erfolg davon verspreche. Drillinger ist eine
optimistisch-flatternde Seele, und dabei oft eigensinnig und trotzig wie ein
Kind. Es muss ja auch solche Käntze geben. Ich erwarte ihn ohnehin heute oder
morgen. Und nun zu Punkt Zwei: in Sachen Pressbandit, Ergänzung des bereits
Bekannten. Das ist auch ein Kantz, aber ein bodenlos schlechter. Deshalb jedoch
nicht weniger interessant. Nicht als Mensch, denn ich wüsste nicht, was an einem
solchen Stegreifritter von Schmierfinkski Interessantes zu finden wäre, sondern
als Kulturerscheinung, als soziologischer Typus, als Produkt unserer verrotteten
und verpesteten Sittenzustände. An solchen Früchten kann man zunächst erkennen,
wohin die Freiheit des journalistischen Gewerbes führt, welch' ein mächtiges
Element zur Durchseuchung und Auflösung der modernen Gesellschaft sie darstellt.
Das Zeitungswesen! Dieser ständige geistige und moralische Seuchenherd! Der pure
Hohn auf den vielgerühmten Willen der Kulturmenschheit, zur Wahrheit und
Gesundheit zu gelangen. Haben Sie sich einmal in einem Kaffeehaus die Horde der
Baccillenschlucker, vulgo Zeitungsleser, angesehen? Wie sie dahocken und mit
stieren Blicken und dummen, vom Qualm der schlechten Luft und des schlechten
Gesöffes aufgedunsenen Gesichtern das bedruckte vergiftete Papier gierig
hineinschlingen? Wie sie ihre Hohlschädel mit politischem Quark und
feuilletonistischem Kohl und Klatsch und Tratsch ausmöbeln? Und haben Sie einmal
eine Sudelküche gesehen, wo diese journalistischen Gerichte zusammengeschmiert
und gepappt und gekocht werden? Das müssen Sie einmal nach der Natur studieren,
mein lieber Herr Schlichting. Da werden Ihnen elektrische Lichter aufgehen! Da
werden Sie auch die Verachtung begreifen lernen, mit der ein Bismarck von den
Journalisten als von Leuten spricht, die ihren Beruf verfehlt haben. Die Presse!
Der Leipziger Professor Wuttke, mein alter Lehrer hat ein Buch darüber
geschrieben. Der Unglückliche! Der Menschheit ganzer Jammer packt einen an, wenn
man das liest ... Ich sage Ihnen, hüten Sie sich vor der
Tages-Zeitungsschreiberei - überhaupt vor dem ganzen politischen Wischiwaschi.
Das ist Gift für jede seiner organisierte Natur. Und alles für die Katz'! Von
allen irdischen Nichtigkeiten und Dummheiten ist die Tagespolitik die
allernichtigste und allerdümmste. Drum blasen sich die Politiker mit ihrem
Geträtsche auch so auf, weil sie selbst die Empfindung nicht los werden können,
dass sie wie Wolken vom Winde verjagt werden, dass sie nur Schattenbilder von
Schatten sind. Betrogene Betrüger, Larifari-Kakaphonisten. Ein jeder glaubt ein
All zu sein, und jeder ist im Grunde nichts. Lassen wir nur erst einmal den
sozialen Cäsarismus, der bereits in der kaiserlichen Botschaft leise
präludierte, über das alte, geschwätzige Europa kommen! ... Die Presse ist
Grossmacht, wenn und wo es gilt, die öffentliche Versimplung und die
nichtsnutzigen Keime im Volksleben zu entwickeln; ihr tägliches, unausgesetztes
Getröpfel
