 - ich erinnere mich noch ganz genau. Dann kamen wir auseinander, als er
zu strebern anfing. Mit unglaublicher Rücksichtslosigkeit ist er dabei zu Werk
gegangen. Der verstand's, alle Hasen in seine Küche zu treiben.«
    »Und ist schließlich doch ein Troddel geworden,« bemerkte der Doktor.
    »Er macht mit seinem Urgermanentum einen urdummen Eindruck,« der Baron.
    »Lasst mich aus! Die Dummen sind die Gescheidten. Wo hängt die Wurst!
Remplem. Prosit!«
    »Prosit! Es lebe das Spundloch!«
    »Das ist die ganze Lebenskunst: immer das rechte Loch zu finden.«
    »Und den unbequemen Kerls immer prompt dasjenige zu zeigen, das der
Zimmermann gemacht hat.«
    »Wie vorhin dein Markgenossen.«
    »Das ist mir der rechte Urgermane, daran erkenn' ich ihn: er fürchtet Gott -
und sein Weib. Letzteres tatsächlich, ersteren nur mit dem Maul, und wenn er
Zuhörer hat. Am besten einen ganzen Reichstag voll. Gottesfurcht, Weiberfurcht.
Dem neumodischen Urgermanen spezifisch wie der preußische Stechschritt. Prosit!«
    »Drillinger schon lang nicht mehr gesehen?«
    »Eine Ewigkeit.«
    »Ist auch kein rechtes Mannsbild. Das Beste an ihm war sein Bruder, der rote
Ludwig. Aber der hat in Europa nicht mehr schnaufen können. Hoffentlich hat er
das rechte Loch jetzt gefunden.«
    »Wie haben sie auch den armen Meister Effenbach gehetzt, bis er in seinem
Steinbruch zu Höllriegelskreut untergekrochen ist. Da haust er jetzt wie ein
Einsiedler im Urwald. Man hört und sieht nichts mehr von ihm. Das ist ein Glück:
vergessen werden. Ein Original, ein Narr! haben sie geschrien, weil er keine
wattierten Röcke, keine Lackstiefeln, keine Glacehandschuhe, keine Angströhre
tragen mochte, sondern barhäuptig und barfüssig in seiner weißen Kutte sich wohl
fühlte. Ein großer Mensch und ein großer Künstler! Mit dem Malen wird's jetzt
freilich Mattäi am letzten sein. In seiner Armut kann er sich weder Leinwand
noch Farben noch Pinsel mehr kaufen. Aber seinen Christuskopf malt ihm in der
ganzen Akademie doch keiner nach. Welch' eine Apoteose des Leids und der
Verzeihung! Das bleibt sein Denkmal.« Des Doktors Augen funkelten.
    »Es ist in der Tat merkwürdig, wie es diesem seltenen Charakter endlich
doch geglückt ist, in dieser Welt der Charakterlosigkeit, in diesem Zeitalter
der Waschlappigkeit, verbunden mit der Raubtiergier nach Geld, Besitz, Macht,
als Mensch für sich zu leben, eine Welt für sich zu schaffen und in frei
erwählter Armut in vollkommenster Zurückgezogenheit sich seiner Freiheit zu
freuen.«
    »Und das zwei Stunden von München.«
    »Remplem! Wenn er sich's einfallen ließe,
