 ich ihn dazu genossen!«
    »Mit dir ist auch nicht gut Kirschen essen!« rief eine der Schwestern, die
bislang kleinlaut zuhörten, da das Kapitel ihnen nicht gefiel, und der Vater
sagte:
    »Ja, er ist ein kritischer Gesell!« Die Mutter sagte kein Wort; aber ihr
Auge ruhte wohlgefällig auf dem Sohne. Das wahre Geheimnis war und blieb den
Kindern verborgen.
 
                                      XXI
Das neue Leben der wieder vollzähligen Familie floss nun klar und ruhig weiter,
bis die Flut sich etwa kräuselte, durch Martins pflichteifrigen Geist bewegt.
    Es dauerte nicht lang, so wollte er nicht mehr zusehen, wie Arnold außer dem
Geschäfte nur seinen Studien und dem gesellschaftlichen Verkehr mit einigen
Jugendgenossen lebte; er drang in ihn, sich doch allgemach den öffentlichen
Dingen zuzuwenden, wozu er ja die beste Gelegenheit habe, wenn er mit dem Vater
die politischen Vereine, Wahlversammlungen und zuweilen auch einen der
zahlreichen Vorträge zur Erklärung eines Gesetzes oder anderer Volksbeschlüsse
und obschwebenden allgemeinen Fragen besuche. Da werde er bald lernen, die
erworbenen Kenntnisse anzuwenden, die Urteilskraft geltend zu machen und ein
Mitwirkender zu werden. Und das sei notwendig, denn ohne erweckte Jünglinge und
junge Männer fehle es den weisesten Alten am halben Leben.
    Allein Arnold lehnte des Vaters Andringen bescheiden, aber beharrlich ab. Er
habe sich vorgenommen, so erklärte er, sich auf die Erfüllung aller
Bürgerpflichten zu beschränken, wozu, nebenbei gesagt, auch gehöre, niemals an
einer Wahl teilzunehmen, wenn man weder den Vorgeschlagenen noch die
Vorschlagenden kenne. Das sogenannte Mitwirken wolle er an sich kommen lassen,
wenn es einst sein müsse, bis dahin aber das faktische Geschehen beobachten und
die Früchte desselben betrachten; an ihnen werde er auch die Personen erkennen,
die sie hervorbringen, besser als aus ihren Reden, und die Parteien hinwieder an
diesen Personen, sowie an den Zeitungsartikeln, die sie schreiben. Die
hergebrachten Einflüsse möge er nicht auf sich wirken lassen und gehe deshalb
auch nicht hin, wo sie ausgewechselt werden; nur so fühle er sich frei und einst
imstande, jedem zu sagen, was er für wahr halte. Manche junge Leute dächten
jetzt so.
    Der Vater bestand nicht länger auf seinem Ansinnen; aber er fühlte sich
verletzt, wenn das nun der ganze Einfluss war, den er auf den eigenen Sohn haben
sollte, er, der so uneigennützig es sich sauer werden ließ, dem Lande zu dienen.
Er kam daher wieder auf den Gedanken zurück, der Sohn sei auf den Schulen ein
Doktrinär geworden, in welchem vielleicht der Reaktionär nur schlummere. Ein
schmerzliches Misstrauen fing an sein Gemüt zu belästigen.
    Das wandte sich zwar wieder zum Bessern, als Arnold eines Tages sich erbat,
einige Freunde im Haufe bewirten zu dürfen
