 sich schwesterlich
gesellen, so freue dich, und liebe, doch vergiss dich nie! Verlass dein Steuer
nicht, wenn eine fröhliche Luft in deine Segel weht! Entehre nicht des
Schicksals gute Göttin! du machst sie zur Sirene, wenn sie dich mit ihren
Melodien in den Schlummer wiegt.
    Es ist das beste, frei und froh zu sein; doch ist es auch das schwerste,
lieber Fremdling! - In seinen Höhn den Geist emporzuhalten, im stillen Reiche
der Unvergänglichkeit, und heiter doch hinab ins wechselnde Leben der Menschen,
auch ins eigne Herz zu blicken, und liebend aufzunehmen, was von ferne dem
reinen Geiste gleicht, und menschlich auch dem Kleinsten die fröhliche
Verwandtschaft mit dem, was göttlich ist, zu gönnen! Gewaffnet zu stehen vor den
feindlichen Bewegungen der Natur, dass ihre Pfeile stumpf vom unverwundbaren
Geschmeide fallen, doch ihre friedlichen Erscheinungen mit friedlichem Gemüte zu
empfangen, den düstern Helm vor ihnen abzunehmen, wie Hektor, als er sein
Knäblein herzte! Des Lebens Nächte mit dem Rosenlichte der Hoffnung und des
Glaubens zu beleuchten, doch die Hände nicht müßig fromm zu falten! was wahr und
edel ist, aus fesselfreier Seele den Dürftigen mitzuteilen, doch nie der eignen
Dürftigkeit zu vergessen, dankbar aufzunehmen, was ein reines Wesen gibt und der
brüderlichen Gabe sich zu freuen! Dies ist das Beste! so lehrte mich - ich ehre
sie - die Schule meines Lebens. -
    Der seltene Mann erschien vor meinem Innern so sanft und groß. Froh bot ich
ihm die Hand, und dankte, und sagt ihm meinen Irrtum.
    Nur zu lange, rief er, irrt auch ich, und die Geschichte meiner Jugend ist
ein Wechsel widersprechender Extreme; ich kenne das, wo wir traurend und verarmt
des hohen Eigentums nicht gedenken und alles ferne wähnen, was wir doch in uns
finden sollten, und das verlorne in der Zukunft suchen und in der Gegenwart, im
ganzen Labyrinthe der Welt, in allen Zeiten und ihrem Ende; ich kenn auch das,
wo das feindliche verhärtete Gemüt jede Hilfe verschmäht, jedes Glaubens lacht
in seiner Bitterkeit, auch die Empfänglichkeit für unsre Wünsche der guten Natur
missgönnt, und lieber seine Kraft an ihrem Widerstande misst.
    Doch auch diesen Verirrungen gönn ich jetzt oft einen freundlichen Blick,
wenn sie mir erscheinen. Wie sollt ich sie noch mit Strenge bekämpfen? Sie
schlummern friedlich in ihrem Grabe. Wie sollt ich sie aus meinem Sinne bannen?
Sie sind doch alle Kinder der Natur, und wenn sie oft der Mutter Art verleugnen,
so ist es, weil ihr Vater, der Geist, vom Geschlechte der Götter ist. Genügsam
hält sich ewig in ihrer sichern Grenze die Natur; die Pflanze bleibt der Mutter
Erde treu, der Vogel
