 er nun, das Maß ist grenzenlos, woran der Geist des
Menschen die Dinge misst, und so soll es sein! wir sollen es rein und heilig
bewahren, das Ideal von allem, was erscheint, der Trieb in uns, das Ungebildete
nach dem Göttlichen in uns zu bilden, und die widerstrebende Natur dem Geiste,
der in uns herrscht, zu unterwerfen, er soll nie auf halbem Wege sich begnügen;
doch um so ermüdender ist auch der Kampf, um so mehr ist zu fürchten, dass nicht
der blutige Streiter die Götterwaffen im Unmut von sich werfe, dem Schicksal
sich gefangen gebe, die Vernunft verleugne, und zum Tiere werde, oder auch,
erbittert vom Widerstande, verheere, wo er schonen sollte, das Friedliche mit
dem Feindlichen vertilge, die Natur aus roher Kampflust bekämpfe, nicht um des
Friedens willen, seine Menschlichkeit verleugne, jedes schuldlose Bedürfnis
zerstöre, das mit andern Geistern ihn vereinigte, ach! dass die Welt um ihn zu
einer Wüste werde, und er zu Grunde gehe in seiner finsteren Einsamkeit.
    Ich war betroffen; auch er schien bewegt.
    Wir können es nicht verleugnen, fuhr er wieder erheitert fort, wir rechnen
selbst im Kampfe mit der Natur auf ihre Willigkeit. Wie sollten wir nicht?
Begegnet nicht in allem, was da ist, unsrem Geiste ein freundlicher verwandter
Geist? und birgt sich nicht, indes er die Waffen gegen uns kehrt, ein guter
Meister hinter dem Schilde? - Nenn ihn, wie du willst! Er ist derselbe. -
Verborgnen Sinn enthält das Schöne. Deute sein Lächeln dir! Denn so erscheint
vor uns der Geist, der unsern Geist nicht einsam lässt. Im Kleinsten offenbart
das Größte sich. Das hohe Urbild aller Einigkeit, es begegnet uns in den
friedlichen Bewegungen des Herzens, es stellt sich hier, im Angesichte dieses
Kindes dar. - Hörtest du nie die Melodien des Schicksals rauschen? - Seine
Dissonanzen bedeuten dasselbe.
    Du denkst wohl, ich spreche jugendlich. Ich weiß, es ist Bedürfnis, was uns
dringt, der ewig wechselnden Natur Verwandtschaft mit dem Unsterblichen in uns
zu geben. Doch dies Bedürfnis gibt uns auch das Recht. Es ist die Schranke der
Endlichkeit, worauf der Glaube sich gründet; deswegen ist er allgemein, in
allem, was sich endlich fühlt.
    Ich sagt ihm, dass es mir sonderbar ginge mit dem, was er gesagt; es sei so
fremdartig mit meiner bisherigen Denkart, und doch scheine mir es so natürlich,
als wär es bis jetzt mein einziger Gedanke gewesen. So kann ich ja wohl noch
mehr wagen, rief er traut und heiter, doch erinnre mich zu rechter Zeit! - Als
unser Geist, fuhr er nun lächelnd fort,
