 und geduldig; hatt oft einen
wunderbaren Aberglauben an die Heilkraft mancher Dinge; oft konnt ich ingeheim
von einem kleinen erkauften Besitztum, von einer Kahnfahrt, von einem Tale, das
mir ein Berg verbarg, Trost erwarten. Mit dem Mute schwanden auch sichtbar meine
Kräfte. Ich glaubte wirklich unterzugehn.
    Ich hatte Mühe, die Trümmer ehmals gedachter Gedanken zusammenzulesen, der
rege Geist war entschlummert; ich fühlte, wie sein himmlisch Licht, das mir kaum
erst aufgegangen war, sich allmählich verdunkelte. - Freilich, wenn es einmal,
wie mir deuchte, den letzten Rest meiner verlorenen Existenz galt, wenn mein
Stolz sich regte, dann war ich lauter Wirksamkeit, und die Allmacht eines
Verzweifelten war in mir, oder wenn sie von einem Tropfen der Freude getränkt
war, die welke dürftige Natur, dann drang ich mit Gewalt unter die Menschen,
sprach, wie ein Begeisterter, und fühlte wohl manchmal auch die Träne der
Seligen im Auge, oder wenn einmal wieder ein Gedanke oder das Bild eines Helden
in die Nacht meiner Seele strahlte, dann staunt ich und freute mich, als kehrte
ein Gott ein in dem verarmten Gebiete, dann war mir, als sollte sich eine Welt
bilden in mir; aber je heftiger die schlummernden Kräfte sich aufgerafft hatten,
um so müder sanken sie hin; versuche nur nichts mehr, sagt ich mir dann, es ist
doch aus mit dir!
    Wohl dem, der das Gefühl seines Mangels versteht! wer in ihm den Beruf zu
unendlichem Fortschritt erkennt, zu unsterblicher Wirksamkeit, wer im Schmerze
der Erniedrigung den kleinen Trost verachten kann, unter den Kleinen groß zu
sein, ohne an sich zu verzweifeln, und den Glauben an die Götterkraft des
Geistes aufzugeben, wer sie überstanden hat, diese Feuerprobe des Herzens, wenn
es überall eine Leere findet, und das wenige, was es geben kann, verschmäht
fühlt! - Wohl manches jugendliche Gemüt trauert, wie ich einst trauerte, im
Gefühle menschlicher Armut, und je trefflicher die Natur, desto größer die
Gefahr, dass es verschmachte im Lande der Dürftigkeit. Mir ist er heilig, dieser
Schmerz, so wahr michs freut, wenn mir ein freundlich Auge begegnet! Aber sagen
möcht ich der Seele, die mir ihn klagte, dass sie nur darum ihr Paradies verloren
hätte, damit sie ein Paradies erschaffe, doch werde dies mit nichten am
siebenten Tage vollendet sein, denn der Ruhetag der Geister würd ihr Tod sein,
sagen würd ich ihr, dass sie, um ihres Adels willen nicht einzig fremder Hilfe
vertrauen soll, die treuste Pflege müsse den zu Grunde richten, der müßig von
ihr allein sein Heil erwarte; in brüderlichem Zusammenwirken bestehe das Beste,
doch sei es auch herrlich, allein zu stehen
