 Freundlichkeit zu, und dann
blinkt es in den noch immer jugendfrischen Augen der Bäuerin so selbstbewusst und
überlegen: Wie ich bin - weil ich bin!
    Sie war sich bewusst, dass sie etwas gelte und dass man etwas an ihr verlieren
werde, und pure Eitelkeit war es, die sie vom ersten Augenblicke an, wo sich
dies Bewusstsein in ihr regte, danach trachten ließ, auch etwas »Rechtes« zu
gelten und nichts zu unterlassen, was ihren Verlust zu einem augenfälligen
machen konnte, und so gewann sie, die immer und allzeit nur sich allein lebte,
einen größeren und wohltätigeren Einfluss auf viele als manche andere, die
hingebungsvoll nur einem einzigen Wesen oder wenigen ihnen zunächst leben, oft
allein durch diese Ausschliessung sich gegen alle Fernstehenden bis zur
Ungerechtigkeit verhärten und, nachdem sie das Beispiel einer fast selbstsüchtig
erscheinenden, eng umgrenzten Pflichterfüllung der Welt gegeben, bedeutungslos
für diese, vom Schauplatze abtreten.
    Wer hat die wackre Kleebinderin, ihren braven Sohn, den Holzschnitzer,
bedauert? Wer wird die rechtschaffene Sepherl beklagen? Niemand. Sie taten das
immer unter sich, der Überlebende den Vorangegangenen; ein anderes aber, wenn
Helene stirbt. Nicht nur ihrem eigenen Kinde wird das Herz schwer werden, auch
das fremde wird ihr heiße Tränen nachweinen, die Armen in der Umgegend und alle
jene, die gewohnt waren, freundnachbarlich sich Rat und Tat zu erbitten, wird
der Tag bedrücken, an welchem der Tod die Bäuerin hinwegholt vom Sternsteinhofe.
Der Leser hat eine Frage frei. Warum erzählt man solche Geschichten, die nur
aufweisen, »wie es im Leben zugeht«?
    Allerdings gibt das ein unfruchtbares Wissen, da es nichts an den Vorgängen
ändern lehrt und, was es lehrt, doch nie, selbst von den Wissenden nicht, mit
dem Handeln in Einklang zu bringen versucht wird; so bleibt es denn
voraussichtlich noch lange mit allem menschlichen Treiben und Trachten beim
alten, und eine neue Geschichte kann nur dartun: dass, was vorging, noch vorgeht.
Übrigens ist es nicht neu, von den Gefahren der Schönheit für den, der sie
besitzt, wie für andere, zu erzählen, es ist nicht neu, zu erzählen, wie in
manches Menschen Leben die Treue gegen das eigene Selbst mit dem Verrate an
anderen verknüpft zu sein scheint, und solche alte Geschichten von erprobter
Wirkung in ein neues Gewand zu stecken ist nur ein künstlerischer Behelf, und
ein anderer ist es, das letztere für die handelnden Personen aus Loden
zuzuschneiden; es geschieht dies nicht in dem einfältigen Glauben, dass dadurch
Bauern als Leser zu gewinnen wären, noch in der spekulativen Absicht, einer mehr
und mehr in die Mode kommenden Richtung zu huldigen, sondern lediglich aus dem
Grunde, weil der eingeschränkte Wirkungskreis
