
Innern nicht mehr so ganz ruhig war; »und meint denn der Herr Pfarrer, ich werde
wirklich im nächsten Winter am eisigen Morgen durch Sturm und Schnee ein
zartgliedriges Kind den Berg hinunterschicken, zwei Stunden weit, und zur Nacht
wieder heraufkommen lassen, wenn's manchmal tobt und tut, dass unsereiner fast in
Wind und Schnee ersticken müsste, und dann ein Kind wie dieses? Und vielleicht
kann sich der Herr Pfarrer auch noch der Mutter erinnern, der Adelheid; sie war
mondsüchtig und hatte Zufälle, soll das Kind auch so etwas holen mit der
Anstrengung? Es soll mir einer kommen und mich zwingen wollen! Ich gehe vor alle
Gerichte mit ihm, und dann wollen wir sehen, wer mich zwingt!«
    »Ihr habt ganz recht, Nachbar«, sagte der Herr Pfarrer mit Freundlichkeit;
»es wäre nicht möglich, das Kind von hier aus zur Schule zu schicken. Aber ich
kann sehen, das Kind ist Euch lieb; tut um seinetwillen etwas, das Ihr schon
lange hättet tun sollen, kommt wieder ins Dörfli herunter und lebt wieder mit
den Menschen. Was ist das für ein Leben hier oben, allein und verbittert gegen
Gott und Menschen! Wenn Euch einmal etwas zustossen würde hier oben, wer würde
Euch beistehen? Ich kann auch gar nicht begreifen, dass Ihr den Winter durch
nicht halb erfriert in Eurer Hütte, und wie das zarte Kind es nur aushalten
kann!«
    »Das Kind hat junges Blut und eine gute Decke, das möchte ich dem Herrn
Pfarrer sagen, und dann noch eins: ich weiß, wo es Holz gibt, und auch, wann die
gute Zeit ist, es zu holen; der Herr Pfarrer darf in meinen Schopf hineinsehen,
es ist etwas drin, in meiner Hütte geht das Feuer nie aus den Winter durch. Was
der Herr Pfarrer mit dem Herunterkommen meint, ist nicht für mich; die Menschen
da unten verachten mich und ich sie auch, wir bleiben voneinander, so ist's
beiden wohl.«
    »Nein, nein, es ist Euch nicht wohl; ich weiß, was Euch fehlt«, sagte der
Herr Pfarrer mit herzlichem Ton. »Mit der Verachtung der Menschen dort unten ist
es so schlimm nicht. Glaubt mir, Nachbar: sucht Frieden mit Eurem Gott zu
machen, bittet um seine Verzeihung, wo Ihr sie nötig habt, und dann kommt und
seht, wie anders Euch die Menschen ansehen und wie wohl es Euch noch werden
kann.«
    Der Herr Pfarrer war aufgestanden, er hielt dem Alten die Hand hin und sagte
nochmals mit Herzlichkeit: »Ich zähle darauf, Nachbar, im nächsten Winter seid
Ihr wieder unten bei uns und wir sind die alten,
