 lockt Tausende an; wo einer erliegt, da treten zehn andere an seine
Stelle, wo einer einen reichen Fund gemacht hat, da folgen ihm Unzählige, um das
gleiche Glück zu finden, aber dennoch gelingt es im allgemeinen nur wenigen, mit
leichter Mühe zu einem beträchtlichen Vermögen zu kommen.
    Die Straßen einer solchen Goldstadt sind keineswegs planmässig angelegt,
gepflastert oder sogar beleuchtet, es gibt keine Bürgersteige und keinen
Polizeischutz. Davon findet man keine Spur. Zwei tiefe Gräben von etwa
anderthalb Meter Breite durchziehen in ihrer ganzen Länge die Straße, und die
Erdwälle zu beiden Seiten dienen als Fußweg. An starkbelebten und daher
plattgetretenen Stellen läuft der Verkehr so ziemlich, wo aber nach der Laune
irgendeines Miners ein Quergang etwa bis vor die Tür des nächsten Hauses
angelegt worden ist, wo der Regen sich zum Tümpel angesammelt oder die gehäufte
Erde einen Hügel gebildet hat, da hört einfach die Verbindung auf, und wer
hinüber will, der muss selbst sehen, wie er es am besten anstellt.
    Der Miner bezahlt für jeden Liter Wasser, den er für seine Arbeit braucht,
zwischen zwanzig bis fünfzig Cent, er hat das Recht, überall nach Gold zu
suchen, aber er läuft Gefahr, vielleicht umsonst zu graben und umsonst sein
kleines Betriebskapital verschwendet zu haben - alle diese Dinge machen ihn
rücksichtslos und hart; er verfolgt die gelben Körner, und wäre es bis unter das
einstürzende Haus des nächsten Nachbarn, er kümmert sich um keinen, und keiner
kümmert sich um ihn.
    Als Schutz gegen die zahllosen rohen und gesetzlosen Menschen, die sich in
den Golddistrikten sammeln, hat jeder nur die Kraft seiner Fäuste, die
Sicherheit seiner Augen. Der Amerikaner ist durchweg »self-made-man«, er hat
sich durch eigene Kraft emporgearbeitet und braucht die Waffe ohne lange zu
zögern.
    Das alles ist Grundbedingung, ist die alleinige Existenzmöglichkeit in den
Minenstädten, wo sich der Auswurf aller Länder sammelt. Das Leben macht den
einzelnen Menschen roh, es stumpft die edleren Eigenschaften seines Charakters
ab und lässt von dem, was er vielleicht früher in besseren Verhältnissen gewesen
war, wenig oder nichts mehr übrig.
    Wo der Revolver im Gürtel steckt und das Messer ebenso zum Brotschneiden wie
zum Selbstschutz verwendet wird, da hört der Begriff »Gemütlichkeit« vollständig
auf, da stockt sozusagen das innere geistige Leben, und nur das »Soll und Haben«
scheint noch einer wirklichen Beachtung wert.
    Die Minenstädte und ihre Bewohner bilden eben Ausnahmen, bei denen kein
Maßstab des gewöhnlichen, täglichen Lebens angelegt werden kann.
    Auch die drei Freunde hatten eine schwere Zeit, bis sie sich einigermaßen an
den rauen Ton von Lenchi, so hieß die Minenstadt, gewöhnen konnten. Der Ort lag
fast völlig in der Wildnis, er
