 auch
nicht, wenn du es hörst oder liest. Die Ideale wandeln und wechseln, erhellen
und verdunkeln sich wie die Ideen, das Ideale währt und webt ewig wie die Idee.
Du kennst nunmehr den Mann, den diese Zuversicht bis in seine Todesstunde
beseligt hat. Und wenn es dir nicht gegeben sein sollte, die unlöschbare Flamme
in Ausnahmsgeistern leuchten zu sehen und glimmen selber da, wo ihr
geflissentlich Hohn gesprochen zu werden scheint, so wirst du ihren warmen Strom
doch spüren in jedem guten Menschenherzen. Die Güte, deren Namen selbst unsere
Sprache von Gott entnommen hat, ist das reinste Ideal.
    Es sind Feiglinge, mein Sohn, und sie waren es seit Jahrtausenden, die da
sagten und sagen: Nichts lieben und nichts glauben, nichts erstreben noch
ersehnen als die Ruhe des Nichts heiße weise sein und einzig Erdenglück.
Schwächlinge und Ärmlinge! Die Ärmsten unter uns! Sie kennen unseren Reichtum
nicht einmal, unseren Reichtum selbst in der Traurigkeit, die kein Menschenglück
und keine Menschenweisheit löst, weil sie das ewige Erbteil ist, das den
Menschen erst zum Menschen macht.
    Kämpfe darum mutig, mein Sohn, und scheue der Wunden nicht, um das, was du
in dir trägst, zu behaupten im Gestritt der Welt. Denn nur dieses Eigenste ist
dein Glück. Das holde Gestirn, an dem wir die Sonnenkraft ermessen, es hat auch
über deiner Wiege gestanden und wird dich leiten durch das Leben, bis es als
Abendstern dir leuchten wird dort hinüber, wo wir mit reiferen Sinnen das
Wandelbare zu erfassen und mit tieferem Sinn das Unwandelbare zu ergründen
hoffen.
 
    
