 Herzens habe ich - -«
    »Ich weiß die Ehre zu schätzen,« unterbrach ihn Max mit einem schnöden
Lächeln, »und ich sage Dank dafür, dass der eifrige Levit von mir, dem Heiden,
voraussetzt, er werde eher als der gläubige Bekenner die linke Wange bieten,
wenn die rechte den Streich empfangen hat.«
    »Sie irren, Herr von Hartenstein. Es war nicht priesterlicher Eifer, es war
einfach die Freundschaft für die Ihnen nächststehenden Menschen, die mich zu
Ihnen trieb statt zu dem anderen, den ich im Bann unüberwindlicher Vorurteile
befangen wusste.«
    »Und was berechtigte Sie,« rief Max, indem eine Blutwoge sein marmorbleiches
Gesicht überflog, »was berechtigte Sie zu der Annahme, dass ich, ich diese
Vorurteile, wie Sie es nennen, nicht hege? Meinen Sie, dass ich die Sache der
misera plebs, für die ich meine Existenz in die Schanze geschlagen, so
verstanden habe, um im Sinne des Plebs ein Schimpfwort für ein Scherzwort zu
nehmen und nicht vielmehr des Volkes Schranken so weit hinauszurücken, dass es
wie wir für sein Recht und seine Ehre den Einsatz des Lebens nicht zu hoch
erachte?«
    Dezimus blickte eine Weile betreten zu Boden; dann erwiderte er, aber
kleinlauter als vorhin: »Ein ungemeines Streben in ungemeiner Zeit zieht keine
Alltagskonsequenzen. Ihre Freunde, Herr von Hartenstein, werden es schwerlich
verstehen und sicherlich es Ihnen nicht vergeben, wenn der Tribun sich dem
Kavalier zum Opfer stellt. Retten Sie sich für die Sache, um derentwillen Sie,
wie Sie sagen, Ihre Existenz in die Schanze geschlagen haben.«
    »Ich habe keine Freunde, an deren Verständnis mir gelegen wäre,« entgegnete
Max mit einem geringschätzigen Achselzucken, »und die Sache, die ich die meine
nannte, ist über meine Lebenszeit hinaus eine verlorene. Das Volk - es bleibt
bei dem Weidetier.«
    »Wills Gott, nicht!« rief Dezimus. »Solange die Menschheit währt, wird der
Kampf für die Menschlichkeit geführt werden, wenn auch mir anderen Waffen als
den heutigen. Wollen Sie die Flinte in das Korn werfen, weil - lassen Sie mich
Sie an die Stunde erinnern, in der ich den frühesten Blick in Ihre Seele getan
-, weil Ihre ersten Blütenträume nicht reiften? Sie haben auf unberechenbare
Jahre hinaus mit Ihrem Vaterlande gebrochen, wollen Sie mit einem Mord von ihm
scheiden? Suchen Sie ein neues, ein nach freieren Satzungen bereits geordnetes,
mit dem Bewusstsein einer selbstüberwindenden, einer hochherzigen Tat. Fliehen
Sie, Herr von Hartenstein! Die Stunde drängt, nein, die Minute; gelüstet es Sie,
in Handschellen mit Ihrer Jugend abzuschließen?«
    »Seien Sie ruhig, Freund,« versetzte Max lächelnd
