 Siegesfreude fort:
    »Und du kannst ja auch einfliessen lassen, Konstantin, dass es auf einen
Geldbettel keineswegs abgesehen ist. Nur um die Ehre. Friedrich Wilhelm von
Preußen deckt den Tagedieb Klaus Frei. Vor der Hand ist gesorgt. Wo sieben
Kinder satt werden, wird es ein achtes auch. Und in einem Falle der Not muss der
Amtmann dran. Ja, Konstantin, er muss! Ei, wäre es nicht um den Narren Mehlborn,
wir würden unsern lieben, alten königlichen Herrn ja herzlich gern in Frieden
lassen. Aber warte nur, warte, du mein zugeknöpfter hochwohlgeborener Herr
Rittergutsbesitzer und Baron in spe: alle zehn Finger sollst du danach lecken,
und schöne Batzen sollst du dafür zahlen, als Stellvertreter Seiner Majestät von
Preußen am Tauftische des armen Hirtensohnes stehen zu dürfen.«
    Frau Hanna lachte vor Herzenslust hell auf, während ihr Konstantin, die
Brauen bis unter die Haarwurzeln in die Höhe gezogen, ihr starr in die
blitzenden blauen Augen blickte und mit drohend erhobenem Zeigefinger, so wie er
es bei einer großen Gebotsmahnung von der Kanzel zu tun pflegte, sich also
vernehmen ließ: »Mit einem über die Welt verbreiteten Schibbolet, Hanna,
bezichtigen wir als ihre ärgsten Feinde die, welche für einen guten Zweck des
ungute Mittel nicht verwerflich finden, und nicht zum ersten Male, Hanna,
entdecke ich dich auf so unchristlichen Schlangenwegen. Soll auch die
Mutterliebe ihre Jesuiten haben? Mit einem Komödienspiel auf die Schwächen
seiner Nebenmenschen spekulieren, durch Hochmut Großmut erwecken -«
    »Mitleiden durch ein saures Gesicht,« fiel Frau Hanna ein, indem sie ihm
zärtlich die Wangen strich. »Ich will es nicht wieder tun, Konstantin; aber sage
mir doch: hast du im großen Weltwesen wie im bescheidensten Einzelnleben jemals
einen guten Zweck ohne Jesuitenkünste, wie du es nennst, erreichen sehen?«
    »Hast du mich jemals auf Schlangenwegen entdeckt?« fragte schier entrüstet
ihr Konstantin dagegen.
    »Niemals!« antwortete sie mit dem reinsten Klang der Aufrichtigkeit.
    »Aber - aber« -, sie stockte, und nur in Gedanken setzte sie hinzu: »Wie
häufig hast du auch, redliches Herz, deine besten Zwecke verfehlt!«
    »Aber - warum stockst du, Hanna?« fragte der Pfarrer.
    »Aber was sehen wir denn in der Natur, Konstantin, auf die du uns so oft als
eine Lehrmeisterin verweist: Übles aus Gutem entstehen, oder Gutes aus dem
Übel?«
    »Beides,« antwortete er, »beides, Hanna. Allein Moral und Natur decken sich
nicht wie - wie -«
    »Friedrich Wilhelm den Exhirten Klaus,« ergänzte sie mit einem Lächeln;
worauf ihr Konstantin dann fortfuhr: »Die Pflanze saugt erstickende Dünste
