 ja, mein Junge, wie es so den Anschein hat, kannst du es noch zum
richtigen Pastor bringen, ehe du mir den Lebenslauf zu halten hast. Aber höre,
Kandidat, die Klughänse von Doktores, die sollen mir mit ihrem Mehlmus und
Kamillentee gewogen bleiben. Nicht heraus, hinein treiben sie das schwarze
Gespenst. Du bist mein Mann, Pate, mit deinem Schinken und deinem Wein! Aber
freilich, noch ein drittes muss dazukommen, wenn dem Morbus der Garaus gemacht
werden soll.«
    Er blinzelte bei diesen Worten mit den Augen, die nicht mehr ganz scharf
sehen, und spannte mit den Ohren, die noch immer sehr scharf hören konnten, nach
der Kammertür, durch welche der Weiberrock verschwunden war. Pate Kandidat aber
lächelte und dachte: »Jawohl, das Gemüt, befreit von dem Druck eines
Handgelöbnisses und eines unsicheren Dokuments.«
    Der so wunderbar vom Tode Gerettete rieb sich seelenvergnügt die Hände.
Plötzlich jedoch schien eine unbehagliche Vorstellung ihm durch den Kopf zu
schießen. Er fragte, ob der Kandidat sich mit der Zitation des städtischen
Gerichts auch nicht übereilt habe, und als die Frage verneint ward, kehrte die
joviale Stimmung ihm zurück.
    »Siehst du, mein Junge,« sagte er, »es wäre bloß weggeschmissenes Geld.
Wofür brauche ich denn ein Testament? Du wirsts wohl gemerkt haben, es war
nächtens in meinem Oberstübchen nicht ganz helle. Die grausame Krankheit hatte
mir gar zu schmählich mitgespielt. Und darum hattest du von wegen des
Beschlafens wieder einmal ganz recht. Heute bin ich auf dem richtigen Punkte.
Wozu brauche ich einen letzten Willen? Ich habe zwei leibliche Tochterkinder,
und das mit dem Muss - Pflichtteil nennens die Gerichte, ich konnte mich nur
nächtens nicht auf den gehörigen Titel besinnen - wäre zuwider Gottes Ordnung in
der Heiligen Schrift. Meinst du nicht auch, Kandidat?«
    »Jedenfalls, Herr Amtmann, zuwider der Natur und einem gütigen Vaterherzen,«
antwortete Dezimus.
    Der Amtmann drückte ihm, nach seiner Art gerührt, die Hand. »Eine ehrliche
Haut bist du, Kandidat,« sagte er, »das muss der Feind dir lassen. Eine
grundehrliche Haut. Und helle bist du auch, mordhelle, hast ein Einsehn in
jedwede Sache, wie sie schmeckt und riecht. Aber dein Schade solls nicht sein.
Verlass dich auf den alten Mehlborn, wenn er auch nicht dein Pate ist. Denn was
verschlägt am Ende ein königlicher Prokurist? Der alte Mehlborn hats gut mit dir
im Sinn.«
    Er machte eine Pause, simulierte ein Weilchen, indem er, wie vorhin, nach
der Kammertür starrte, dann hob er von neuem an:
    »Siehst du, Kandidat, es ist mir über Nacht,
