 den Beweis zu führen, dass um
seiner eigenen Existenz wie um der Ehre und Ruhe seiner Angehörigen willen keine
andere Wahl als die getroffene zu treffen war. Und diese Darlegung hatte der
Kammerherr von Behrmann, Phöbes Gatte, übernommen. Nach dem Priester und Richter
war die Reihe an dem Kavalier.
    »Welch eine Zukunft,« so fragte er, »bleibt einem jungen Edelmann, der
wohlbegabt und wohlgebildet, in zurechnungsfähigem Alter, von der Scheu vor
geistiger Anstrengung und christlicher Zucht sich so weit treiben ließ, die
natürlichsten und heiligsten Bande schnöde zu zerreißen und als Abenteurer in
die Welt zu gehen? Der, um seiner eigenen Ruchlosigkeit zu frönen, unter
trügerischen Vorwänden sich die erforderlichen Mittel erschwindelt, seine
Habseligkeiten - gespendete Wohltat seiner schwesterlichen Versorgerin -
heimlich verschleudert, ja, sich sogar an dem Eigentum eines Fremden vergreift,
eines dürftig von anstrengender Arbeit lebenden Heimatsgenossen, des Schützlings
seiner edlen mütterlichen Ahnen? Selbst für den Fall, dass infolge vorbeugender
Massnahmen, welche die Dankbarkeit diesem braven jungen Manne eingegeben hat, der
schmähliche Handel als Geheimnis in einem kleinen Kreise gewahrt bleiben sollte
- was im höchsten Masse zu bezweifeln ist -, selbst für den Fall, dass, verborgen
vor den Augen der Welt, sich eine Umkehr wirkende Busse hätte ersinnen lassen -
was keinem seiner nächsten Angehörigen gelungen ist -, selber in diesen
günstigsten Fällen: welche Laufbahn könnte in unserem Staate einer betreten,
oder in welcher könnte er sich behaupten, der in seinen eigenen Augen und in
denen, sei es auch nur eines Dutzend Menschen, ein Betrüger ist, ja ein Dieb?
Der Jüngling hat sich auf den im Blute der Hartenstein ererbten Soldatenberuf
gesteift: Leutnant von Hartenstein, kann einer dem Verbande eines Offizierkorps
angehören, den, sei es auch nur ein Dutzend Menschen, als Betrüger kennen, ja
als Dieb?«
    Der Leutnant von Hartenstein antwortete kleinlaut: »Nein«, und dass er dabei
rasselnd an seinen Säbel schlug, geschah wohl weniger, um das Nein zu
verstärken, als es den Ohren des brüderlichen Betrügers und Diebes unhörbar zu
machen. Der Kammerherr von Behrmann aber hatte das Nein gehört und durfte sich
darauf berufen.
    »Sein edler Vater,« so fuhr er fort, »hatte für den Sohn den geistlichen
Beruf erwählt. Des Sohnes störriges Widerstreben trieb ihn in die Sünde. Gesetzt
den Fall, die Strafe der Sünde wirke Reue, die Reue Besserung: kann einer als
Gottes Priester die Gebote, die auf den Gesetzestafeln geschrieben stehen,
verkünden, der weiß und von dem auch nur ein Dutzend Menschen weiß, wie schwer
er selber gegen mehr als eines dieser Gebote gesündigt hat?«
    Die beiden Priester der Versammlung schüttelten schweigend die grauen
Häupter. Da sie redliche Priester und sich
