 im stillen schon den
Kopf zerbrochen, wie ich nur den halben Gulden für den Segen auftreiben will!«
    »Beifuss,« wiederholte der Pfarrer mit Nachdruck, »ich halte der Hanne Frei
einen Sermon. War sie darum weniger unsere Schwester, weil sie ein Lumpenkleid
trug? Und kann ein Weib mehr für die menschliche Familie tun, als wenn es ihrem
Verbande zehn kräftige Glieder einreiht?«
    »Liebliche Rangen!« murmelte der Kantor.
    Aber sein geistlicher Oberherr ließ sich nicht dadurch beirren.
    »Angenommen - die Statistik soll es leider lehren, und Sie sind ein
Rechenmeister, Beifuss, angenommen also, dass von vier Kindern des Volks im
Durchschnitt eines leiblich oder sittlich Schaden leidet, dass demnach von den
zehnen der Hanne Frei ungefähr zwei - -«
    »Zwei und ein halbes, Herr Pastor!«
    »Abzuzählen wären, so bleiben immer noch ihrer acht zum Segen der Welt. Und
sind wir nicht Staatsbürger, Beifuss? Kann ein Weib mehr für das Vaterland tun,
als wenn es zehn, oder sagen wir nur acht kraftvollen Verteidigern das Leben
gibt, ja das des jüngsten sogar mit ihrem eigenen Leben erkauft? Das Wochenbett
ist das Schlachtfeld der Frauen! Zwei von ihren Söhnen tragen bereits des Königs
Rock, die anderen werden ihn tragen - -«
    »Jawohl, im Zuchtause, Herr Pastor, wie ihr sauberer Erzeuger, wenn er das
Leben behält. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.«
    »Klaus Frei war von Haus aus keine unedle Natur, Beifuss, und Söhne schlagen
im Temperament gewöhnlich nach der Mutter. Diese Mutter aber war eine
gottgefällige Frau in all ihrer tiefen Not. Sie hätte einen Lebenslauf am Altar
und eine Predigt von der Kanzel verdient - -«
    »Einen Taler fünfundzwanzig Silbergroschen, Herr Pastor!«
    »Aber die Welt liegt im argen. Der Mann ist tiefer herabgekommen als jemals
ein ansässiges Gemeindeglied; die Frau in ihren Lumpen und ihrem Plack hat sich
nicht regelmäßig zum Gotteshause halten können; eine Andacht innerhalb der
Kirche würde als unziemlich aufgenommen werden, darum - -«
    »Stimme ich allenfalls für eine Rede im Hof, mit Ehren zu melden, eine
Mistrede, für sechzehn gute Groschen, Herr Pastor!«
    »Der beschränkte Raum verbietet sie hier, Beifuss, und der letzte Segensakt
ist allemal am weihevollsten dort, wo wir den geöffneten Erdenschoss unter uns
und den ewigen Himmelsschoss über uns sehen. Es bleibt bei dem Grabsermon, alter
Freund!«
    »Und was soll aus dem armen, nackten Johannisküchlein werden, Konstantin?«
fragte vortretend jetzt die Frau Pfarrerin.
    »Ei nun, mein Hannchen,« versetzte der Pfarrer lächelnd, »da es nun einmal
als gebührender Dezem uns in das Haus getragen worden
