 es vielleicht das letzte ist, das binnen einer Sonnenwende in
einer lieben Heimat genossen wird, da rührt es ein junges Herz wohl bis auf den
Grund.
    Auch der Vater hatte in andächtiger Stille der versinkenden Flamme
nachgeschaut, bis der abendliche Horizont in ein Purpurmeer verwandelt schien.
Dann hob er an:
    »Zum ersten Male, mein Sohn, und leider Monde hindurch, bin ich irregeworden
an dem sicheren Gefühl, dem ich als dem Leitstern deines Lebens vertraut habe.
Ich sehe dich bei zufälligem Anlass schwindelnd schwanken; und wer bürgt dem
Schwankenden, dass er nicht strauchele, dem Strauchelnden, dass er nicht falle?«
    Dunkle Schamröte überzog des Jünglings Gesicht; er sah sich durchschaut von
dem einzigen, vor dem er seine Blöße hätte verhüllen mögen. Denn die
Dankbarkeit, wie jede echte Liebe, ist keusch.
    »Durch eine förderliche Fügung«, fuhr der Vater fort, »ist dein Blick auf
einen Beruf gelenkt worden, welcher dem von dir bisher in das Auge gefassten
zuwiderläuft und welchen du urplötzlich als den dir natürlich eingeborenen
erkennst. Hättest du ihn ohne jene Fügung verfehlen können, wenn er wirklich
deine Grundbestimmung gewesen wäre? Und warum willst du eine Entscheidung vom
Zaune brechen, da sie dir nach einer Probezeit als reife Frucht in den Schoss
fallen muss? Es sind nur wenige Gebiete, auf denen in unserem kurzen Hienieden
ein gründlicher Forschersinn heimisch zu werden vermag; aber je eines mehr ist
eine Verdoppelung unserer Existenz. Warum willst du nicht ein paar Jugendjahre
daransetzen, um jenes dir vorbestimmte Gebiet zu prüfen, das, wie dunkel und
begrenzt es auch erscheint, doch des Menschen ewigstes Anliegen umfasst? Ist es
dir denn verwehrt, daneben oder danach auf jenes andere abzuschweifen, das klar
überschaubar, sich dennoch in das Grenzenlose verliert und in Ewigkeit ein
Bruchstück bleiben wird? Warum willst du den seltenen Vorzug nicht nützen, deine
Kräfte nach zwei diametral entgegenlaufenden Richtungen hin zu prüfen?«
    »Aber die Zeit, die mir auf diesem Kreuzwege verloren geht, Vater?« wendete
Dezimus schüchtern ein. »Ich könnte nahe dem Ziele stehen, wo ich dort vor einem
Anfang stehe.«
    »Doch als ein gefesteter Mann, der ohne Fehltritt weiterschreitet. Wohl dem
Jüngling, der nicht mit seinen Lehrjahren zu geizen braucht.«
    »Und dann, Vater, und dann - beraube ich nicht einen Bedürftigen, wenn ich
eine Wohltat zwecklos vergeude.«
    Der Greis blickte zuerst betroffen vor sich nieder, darauf aber mit einem
vollen Liebesblick auf den Sohn, und endlich sprach er in freudigster
Entschiedenheit: »Ich danke dir für dieses Wort, mein Sohn. Es soll mir als
Schiedsspruch gelten, dass ich deine Wiege an den rechten Platz gerückt habe und
dass ich als
