 mit den Füßen wie auf ihrem ersten Studentenball, und dann
klatschten sie bravo mit aller Macht; nur die schönsten der erheiterten schönen
Seelen blinzelten ohne ein Fünkchen Schadenfreude zu der gedemütigten
Mitschwester hinüber; die kleine Sidi aber warf sich in ihres Mäxchens Arme; sie
hatte seine Kränkung gerächt, den Pfeifertisch zu Ehren gebracht. Dass sie mit
ihrem Triumph über die zum Tanze herausfordernde Jungfrau sich ein Künstlerherz
verbunden und eine weittragende Aussicht für ihr verkümmertes Dasein gewonnen
hatte, das ahnte die kleine Sidi in dieser Stunde freilich noch nicht. Nur die
Mutter hatte das dreiste Wettspiel nicht herausgehört. Sie hegte keine
Reigenerinnerungen, und Musik war ihr gedankenstörendes Geräusch; ihre Blicke
hafteten an dem schönen Sohn.
    Der Muse, welcher ein gastlicher Sinn den Vorrang gegönnt hatte, war mit
diesem Bravourstück genuggetan; wennschon für die weniger sinnlichen
Darbietungen, die ihm folgen sollten, statt der hüpfenden Stimmung eine
elegische empfänglicher gemacht haben würde.
    Denn zur Feier der fremden Künstlerin und zur zarten Mahnung an den Wert des
deutschen Vaterlandes, dem sie eingestandenermassen nach diesem letzten Besuche
und der Ordnung ihrer heimischen Angelegenheiten für immer den Rücken zu kehren
gewillt war, hatte eine Kunstschwester auf verwandtem Gebiet und zugleich Witwe
eines grundgelehrten deutschen Mannes, sich bewogen gefühlt, von ihren
mannigfachen Reliquien die heimlichste und heiligste zum ersten Male zu
offenbaren: einen Brief, in welchem der größte deutsche Dichter mit seiner
eigenhändigen Unterschrift sein Beileid an ihrer Verwitwung beglaubigt hatte.
    Der große Dichter war, wie der große Gelehrte, wills Gott! ein Seliger
geworden; um beide vereint trug die edle deutsche Frau seit Jahren schon den
Trauerschleier; und hatte sie den einen von ihnen auch niemals mit leiblichen
Augen gesehen, fühlte sie sich geistig dennoch eine Doppelwitwe; denn sie selber
war eine Dichterin und nicht gering das huldigende Opfer, ein Wort, das der
größte Bruder im Apoll an den Schwestergenius gerichtet, mit einer bloß
ausübenden Künstlerin zu teilen.
    Die Eröffnung würdig vorzubereiten, hatte ein befreundeter Doktor der
Ästetik einen Vortrag ausgearbeitet, welcher in Betracht, dass sein Hörerkreis
wenn nicht der Mehrzahl so doch der Hauptperson nach der schöneren Hälfte des
Menschengeschlechtes angehörte, des Altmeisters bildenden Einfluss auf diese
schönere Hälfte behandelte, und in welchem er diese Hälfte wieder in zwei
Hälften, fachgemässer ausgedrückt: Kategorien - - -
    Aber - der Vortrag ist ja gedruckt und von Mit-und Nachwelt gebührentlich
gewürdigt worden; wenn jedoch - denn das ist der Kasus, auf welchen es an dieser
Stelle lediglich ankommt, - wenn also der Held dieser Geschichte ihn nicht
gebührentlich gewürdigt hat, so wird hoffentlich weder dem Vortrag noch dem
Helden ein Abbruch an ihrer Schätzung dadurch geschehen. Fragwürdig würde im
Gegenteil erscheinen, ob es der Vortrag verdiente, gedruckt der Nachwelt
erhalten zu werden, wenn er
