 Herde einem der Buben überlassen haben und eben erst aus der Schenke
heimgekehrt sein, denn der Fuseldunst qualmte ihm gleichsam aus dem puterroten
Schädel, und halb im Taumel - ganz in Taumel gerät er schon längst nicht mehr -
glotzte er in das Blaue hinein. Der Schenkwirt ist auch schuldig, hauptschuldig,
Hanna. Wozu er keinen Besseren hat, hat er den Frei, und der Frei ist ihm
gewärtig - leider ihm allein - und wäre es mitten in der Nacht; denn jeder
eilige Botenweg, jeder noch so gröbliche Dienst wird statt mit Brot oder Geld
mit den eklen Branntweinneigen bezahlt, die kein Gast mehr mag. Mein Gang, ich
sah es, war verfehlt; wozu hätte in dieser wüsten Verfassung mein
Arbeitsvorschlag führen sollen? Ich stellte mich, als ob ich den Mann nicht
bemerkte, indem ich den Kopf nach dem engen Hofraum drehte, auf dessen magerem
Dunghaufen das junge Hirtenvolk sich mit ein paar Hühnern und Ferkeln
herumjagte. Das liebe Vieh eitel Haut und Bein, die Menschenbrut pausbäckige
Apfelgesichter! Das gedeiht wie durch Wunder bei allem Unflat und Hunger.«
    »Ich würde sagen, Konstantin,« wendete die Pastorin ein, »das gedeiht, weil
eine brave Mutter den Unflat alle Tage wieder abwäscht und kämmt und weil die
Brosamen von unserer Amtmännin Tische so reichlich fallen, als die Batzen aus
des sauberen Herrn Amtmanns Tasche knapp. Aber weiter, Konstantin. Du redetest
den Klaus also nicht darauf an?«
    »Ich nicht ihn, aber er mich, Hanna. - Sie kundschaften wohl nach Ihrem
Dezem, Herr Pastor, fragte er mit schmunzelndem Hohn. - Du musst wissen, Hanna,
mit dem Dezem, da meinte er, landläufig, das Zinshuhn, das auf der armen
Frönerhütte lastet, und das am Johannistermin regelmäßig in Erinnerung zu
bringen der Kantor törichterweise noch immer für seine Schuldigkeit hält.«
    »Du solltest den Beifuss darum loben, Konstantin. Ordnung muss sein, und Recht
bleibt Recht. Der reichste Hofbesitzer beruft sich schließlich auf den armen
Fröner, dessen Zinshuhn eingeschlummert ist.«
    Pastor Blümel seufzte tief. »Hanna,« sagte er darauf, »den Tag, an welchem
die langgeplante Ablösung dieses widerwärtigen Opfers an Korn und Blut zu einer
Wahrheit wird, den Tag wollen wir feiern wie ein zweites Hochzeitsfest.«
    »Insofern die Welt auch bei uns nicht ein bisschen auf den Kopf gestellt
werden sollte, wird es mit dem Feste Weile haben, Konstantin,« entgegnete Frau
Hanna lachend. »Denn gehts ans Steuern, greift der Bauer immer noch eher in den
Sack als in den Säckel. Aber weiter, Freund, was gabst du denn dem Kujon auf
seine Unverschämtheit zurück?«
    »Ich entgegnete ihm einfach, dass
