
Heissenstein, Jungfrau Bozena, hochleben zu lassen. Auf ihr Wohl!« rief er, und
dieser Toast fand lebhaften Anklang. Bozena verließ ihren Platz und ging mit dem
Glase in der Hand von einem zum andern, um mit ihm anzustossen. Dies wurde für
jeden, der des Gespräches mit seinen Nachbarn satt war, das Signal, gleichfalls
aufzustehen. Der Herr Direktor begab sich zu Regula und fragte sofort, ob sie
Nachrichten von »seinen Herrschaften« habe. Er bedauerte über die Massen »seinen
lieben Grafen Ronald«, nannte Rondsperg einen famosen Besitz ... »das heißt hm!
- freilich, es könnte alles wieder werden, wenn ... ja - wenn!«
    Schimmelreiter schlüpfte zu seiner Gattin hinüber und sagte der Verschämten
ins Ohr, das Souper sei ausgezeichnet nobel gewesen, dann näherte er sich
Mansuet, dem er gestand, er glaube behaupten zu dürfen, seine Kati habe sich zu
der Verbindung mit ihm nicht nur aus Vernunft entschlossen, sondern auch aus
Liebe.
    In diesem Augenblicke ließ sich im Nebenzimmer ein lauter Wortwechsel
vernehmen. Deutlich unterschied man die Rufe: »Zurück!« - »Hier tritt man nicht
ein! ...« - »Geladene Gesellschaft.« Und dazwischen wiederholte eine heisere
Stimme unablässig: »Macht Platz! macht Platz, ihr Esel! - Was - geladen! Wüssten
sie, dass ich da bin, ich wäre auch geladen!« Der Lärm wuchs, dumpfe Schläge
fielen - die Tür flog auf ... und ein Mann trat ein, den sogar die, die in
früheren Zeiten oft mit ihm verkehrt hatten, nicht gleich erkannten.
    Es mussten einige Augenblicke vergehen, bevor ihnen zum Bewusstsein kam, dass
dieser dicke Geselle mit den schwimmenden Augen, dem roten aufgedunsenen
Gesichte, dem kurzen, keuchenden Atem kein andrer sei als - Bernhard, der
ehemals schöne Jäger, Bernhard der Pfau!
    Er sah, betroffen über den Anblick der stattlichen Gesellschaft, scheu
umher, rückte den Hut ins Genick und sagte, wie um sich selbst Mut zu machen:
»Man wird doch seine Bekannten besuchen dürfen im Wirtshaus?«
    »Der Mensch ist berauscht«, sagte der Freiherr halblaut.
    Regula stieß einen leisen Schreckensruf aus, und die Herren und Frauen
eilten zu ihr, um sie zu beruhigen. So stand Bozena, die inzwischen ihre Runde
beendet hatte und wieder an ihrem Platze angelangt war, allein dem Eindringling
gegenüber, Aug in Auge. Sie stand still - stumm und wie versteinert vor Grauen
und Schmerz.
    Ihr Leben war eine lange Busse gewesen für eine kurze Verirrung, und nun trat
der Mensch, der sie verleitet hatte, vor sie hin, und ihr schien, als sei nichts
gesühnt,
