 voller Jugendkraft! Nein, wenn ein Tag kommt, da
die Goten sinken - mög' ihn mein Auge nicht mehr sehen. O all ihr Götter, lasst
uns nur nicht dahinkranken jahrhundertelang wie diese Griechen, die nicht leben
können und nicht sterben! Nein, muss es sein, so sendet ein furchtbar
Kampfgewitter und lasst uns rasch und herrlich fallen, alle, alle und mich
voran!«
    Der Jüngling hatte sich in die wärmste Begeisterung gesprochen. Er sprang
empor von der Marmorbank auf der Straße, darauf sie sich niedergelassen, den
Lanzenschaft hoch gen Himmel erhebend.
    »Mein Freund,« sagte Julius, ihn liebevoll anblickend, »wie schön steht dir
dieser Eifer! Aber bedenke, ein solcher Kampf würde mit uns, mit meinem Volk
entbrennen und sollte ich -?«
    »Zu deinem Volke sollst du stehen mit Leib und Seele, das ist klar, wenn es
jemals zu solchem Kampfe kommt. Du glaubst, das würde unsrer Freundschaft
Eintrag tun? mit nichten! Zwei Helden können sich knochentiefe Wunden hau'n und
dabei doch die besten Freunde sein. Ha, mich würd' es freuen, dich in einer
Schlachtreihe mir entgegenschreiten sehen mit Schild und Speer!«
    Julius lächelte. »Meine Freundschaft ist nicht so grimmiger Art, du wilder
Gote. - Diese Fragen und Zweifel haben mich lange und bitter gequält und all
meine Philosophen zusammen haben mir nicht den Frieden gebracht. Erst seit ich's
in Schmerzen erfahren, dass ich dem Gott im Himmel allein zu dienen habe und auf
Erden der Menschheit und nicht Einem Volk -«
    »Gemach, Freund,« rief Totila, »wo ist denn die Menschheit, von der du
schwärmst? Ich sehe sie nicht. Ich sehe nur Goten, Römer, Byzantiner! Eine
Menschheit über den wirklichen Völkern, irgendwo in den Lüften, kenn' ich nicht.
Ich diene der Menschheit, indem ich meinem Volke lebe. Ich kann gar nicht
anders! ich kann nicht die Haut abstreifen, darin ich geboren bin. Gotisch denk'
ich, in gotischen Worten, nicht in einer allgemeinen Sprache der Menschheit; die
gibt es nicht. Und wie ich nur gotisch denke, kann ich auch nur gotisch fühlen.
Ich kann das Fremde anerkennen, o ja. Ich bewundre eure Kunst, euer Wissen, zum
Teil euren Staat, in welchem alles so streng geordnet ist.
    Wir können vieles von euch lernen - aber tauschen könnt' ich und möcht ich
mit keinem Volk von Engeln. Ha, meine Goten! Im Grund des Herzens sind mir ihre
Fehler lieber als eure Tugenden.«
    »Wie ganz anders empfinde ich, und bin doch ein Römer!«
    »Du bist kein Römer! vergib, mein
