, hat er
eine stille Verbeugung vor mir gemacht und nach kurzer Weile noch eine, und ist
abgetreten. Hierauf hat mich der Vater in sein Arbeitsgemach geführt, hat mich
auf den weichsten Sessel niedersitzen geheißen.
    »Erdmann,« hebt er nachher an zu reden, »ist es Ihr wahrhaftiger Ernst, dass
Sie in die Wildnis gehen und Einsiedler werden wollen?«
    »Das ist für mich das Beste,« antworte ich, »ich tauge nicht unter die
Menschen, die in Lust und Freuden leben; mich haben die wenigen Jahre meiner
Jugend herumgeworfen in Irren und Wirren, von einem Land in das andere, und in
der Völker Not. Herr, ich kenne die Welt und bin ihrer satt.«
    »Sie sind kaum an die vierundzwanzig Jahre und noch nicht auf der Höhe ihrer
Kraft; und Sie wollen verzichten auf die Dienste, die Sie den Mitmenschen würden
leisten können?«
    Da horche ich auf; das Wort fasst mich an.
    »Wenn Sie meinen, Sie haben bislang nur übles gestiftet, warum wollen Sie
sich aus dem Staube machen, ohne der Welt, dem Gemeinsamen auch das Gute zu
geben, das gewiss in reichem Masse in Ihnen schlummert?«
    Da erhebe ich mich von meinem Sitze: »Herr, so weisen Sie mir die Wege
dazu!«
    »Wohlan,« sagt der Herr von Schrankenheim, »vielleicht kann ich es, wenn Sie
wieder Platz nehmen und mich anhören wollen. - Erdmann, ich wüsste eine tiefe und
wahrhaftige Einsiedelei, in welcher man den Menschen dienen und vielleicht
Großes für das Gemeinsame wirken könnte. Weit von hier, drinnen in den Alpen,
dehnen sich zwischen Felsgebirgen große Waldungen, in welchen Hirten, Schützen,
Holzschläger, Kohlenbrenner beschäftigt sind, in welchen auch andere Menschen
wohnen, wie sie sich etwa redlich zurückgezogen, oder unredlich geflüchtet
haben, und die nun durch erlaubten oder unerlaubten Erwerb ihr Leben fristen.
Wohl wahr, es sind finstere Menschen, in deren Herzen das Unglück oder noch was
Ärgeres nagt. Sie haben weder einen Priester, noch einen Arzt, noch einen
Schullehrer in ihrer Nähe; sie sind ganz verlassen und abgesondert, und nur auf
ihre Unbeholfenheit und auf ihr eigenes ungezügeltes Wesen angewiesen. - Ich bin
der Eigentümer der Waldungen. Ich habe seit längerer Zeit schon die Absicht,
einen Mann in diese Gegend zu senden, der die Bewohner derselben ein wenig
leite, ihnen mit redlichem Rate beistehe und die Kinder im Lesen und Schreiben
unterrichte. Der Mann tönnte sich gar sehr verdient machen. Es findet sich
wahrhaftig so leicht keiner dafür; es wäre denn einer, der weltsatt in der
Einsamkeit leben und doch für die Menschen wirken wolle. - Erdmann, was meinen
Sie dazu
