 um den Verlag
meiner Werke, die dann nach meinem Rückkauf der Heckenastschen Rechte ihr
übertragen wurden. Die in den ersten Jahren sich freundlich gestaltete
Verbindung mit Hartleben musste wegen Differenzen geschäftlicher und
autorrechtlicher Natur 1893 gelöst werden. In diesem Jahre schloss ich einen
Vertrag mit dem Hause L. Staackmann in Leipzig, das später auch meine Bücher aus
dem Hartleben-Verlage erworben hat. So war ich auf ein ruhiges, sorgloses
Geleise gekommen, und in dem wahrhaft freundschaftlichen Verhältnisse, das
zwischen Staackmann und mir sich herausgebildet hat und das in den zwanzig
Jahren durch keinen Hauch getrübt worden ist, habe ich meine Arbeitsfreudigkeit
wieder gewonnen und meine reiferen Bücher geschrieben.
    In meinem äußeren Leben hat sich nicht mehr viel Neues zugetragen. Den
Frieden eines behaglichen Heims wahren mir Frau und Kinder, und beleben mir
zeitweilig vier muntere Enkel.
    Also ist aus dem Waldbauernbübel der Guckinsleben, aus diesem der
Schneiderbub, aus diesem der Student, aus diesem der Schriftsteller, und aus
diesem endlich der Großvater geworden. Innerlich aber ist mir beinahe ganz so
wie in den fernen Jugendtagen. - -
    So weit ist meine Lebensgeschichte vor Jahren aufgeschrieben worden. Seiter
haben sie viele andere nacherzählt, und wohl mit unbefangenerem Blick und
größerem Geschick als ich tun konnte. Ich selbst habe noch das Buch »Mein
Weltleben«, ersten und nun auch zweiten Band, geschrieben, in dem an die Jugend
anknüpfend tiefer gründende Abschnitte meines seiterigen Lebens dargestellt
werden.
    Immer von neuem drängt mich meine Seele zur Arbeit, und immer von neuem
mahnt mich mein erschöpfter Körper zur Rast. Es ist aber schwer zu ruhen, wenn
man als Mensch noch so vieles zu tun, als Schriftsteller noch so Manches zu
sagen hätte!
    Ich ging als Schriftsteller einen Weg, der, wie sich's zeigte, nicht viel
betreten war; ich fühlte mich auf demselben oft vereinsamt, aber ich bin nicht
umgekehrt.
    Mir scheint nicht alles was wahr ist wert, vom Poeten aufgeschrieben zu
werden; aber alles, was er aufschreibt, soll wahr und wahrhaftig sein. Und dann
soll er noch etwas dazugeben, was versöhnt und erhebt; denn wenn die Kunst nicht
schöner ist als das Leben, so hat sie keinen Zweck. Furchen ziehen durch die
Äcker der Herzen, dass Erdgeruch aufsteige, dann aber Samen hineinlegen, dass es
wieder grüne und fruchtbar werde - so wollt ich's halten.
    Ich habe es mit meinen Mitmenschen ja gut gemeint. Allerdings, sie haben
mich oft verdrossen. Obgleich ich das Glück hatte, zumeist mit vortrefflichen
Charakteren umzugehen, so habe ich doch auch die Niederträchtigkeit kennen
gelernt und gesehen, mit welcher Wollust die Menschen imstande sind, sich
gegenseitig zu peinigen - Schändlichkeiten und Übeltaten stets unter einem
schönen, wenn nicht gar
