 Buch die
Rezensenten auch wieder »so waldduftig und taufrisch anmutete«, wirklich
abgelehnt.
    Allerdings haben kirchliche Fachblätter daran Ärgernis genommen, dass ich in
meinen Schriften das allgemein Menschliche und Gute befürwortete, dass ich die
Gebote Gottes höher stellte als die der Kirche, aber sie haben das genommene
Ärgernis auch redlich wieder gegeben, und zwar durch die niedrige Art und Weise
ihrer Angriffe. Auch andere Kreise und Stände haben sich zeitweilig von meiner
rücksichtslosen Meinungsäusserung hart verletzt gefühlt. So mitunter Advokaten,
Ärzte, Jäger, Lehrer, Studenten und Professoren, auch Journalisten, Gewerbsleute
und Geldmänner - alle habe ich schon beleidigt, doch viele haben mir der
ehrlichen Absicht willen nicht bloß die Irrtümer, sondern auch die Wahrheiten
wieder verziehen. Wer aber nicht verträglich sein kann, wer keinen anderen
Standpunkt, als den eigenen gelten lassen will, das sind die teoriestarren
Parteifanatiker, die deshalb für den Dichter auch gar nicht vorhanden sein
sollen.
    Nach dem Eintritt in die städtischen Kreise, in die Welt, ist eine
bemerkenswerte Wandlung in mir vorgegangen. Ich war nämlich enttäuscht. Ich
hatte dort eine durchschnittlich bessere Art von Menschen zu finden gehofft als
im Bauerntume, stieß aber überall auf dieselben Schwächen, Zerfahrenheiten,
Armseligkeiten, aber auf viel mehr Dünkel und falschen Schein. Und diesen
geschulten und raffinierten Leuten konnte ich die Niedertracht viel weniger
verzeihen als dem Bauer. Es begann in mir eine Art von Misstrauen gegen die so
laut gepriesene Bildung und Hochkultur aufzukommen. Ich wendete mich schon darum
mit Vorliebe den Naturmenschen zu. Selbstverständlich bin ich der Roheit auch im
Bauerntume ausgewichen so gut es anging, und habe an ihm nur das Menschliche und
Seelische in meinen Schriften zu fixieren gesucht. Das Elend, dem nicht zu
helfen ist, kann kaum Gegenstand eines poetischen Werkes sein. Meine
Schilderungen und meine Novellen aus dem Volksleben mögen sich hier und da
scheinbar widersprechen; der Grund liegt darin, dass ich als Schilderer meine
Stoffe aus der Regel, als Novellist meine Stoffe aus den Ausnahmen gezogen habe.
Im Ganzen glaube ich die Ausdehnung und Bedeutung meines Gebietes erfasst zu
haben und die enge Beschränkung meines Talentes zu erkennen. Jenen, die mich
darum etwa bedauern, sei bemerkt, dass ich mich in dieser Beschränkung niemals
beengt, sondern stets frei, reich und zufrieden gefühlt habe.
    Was ich jedoch fortwährend vermisste, das ist die Schulung, den gründlichen
und systematischen Unterricht in der Jugend. Das lässt sich nicht mehr nachholen.
In den Lehrbüchern unbewandert, hat man oft das Einfachste und Wichtigste für
den Augenblick des Bedarfes nicht zur Stelle. Ein Beispiel aus der Grammatik:
Ich kann über keine Deklination und Konjugation, über keine Wortbezeichnung und
über keinen Satzbau wissenschaftlich Rechenschaft geben. Ich habe z.B. das Wort
Anekdote wohl
