 wo die letzte Entscheidung liegt, selbst für mich handle.«
    Unzufrieden fragte Marcus: »Und hofft mein gnädigster Herr, dass in dem
eigenen Lande, dem der Gebieter fehlt, Sicherheit und gutes Vertrauen
zurückkehren werden? Vieles bleibt dort ungeordnet, und alle Gegner erheben ihr
Haupt. Man erzählt, dass die neue Ketzerei in dem Ordenslande wenig Widerstand
findet.«
    »Wie vermag ich den Kampf aufzunehmen mit Gedanken, welche jetzt jeden
erregen?« rief der Hochmeister lebhaft, und seine Vorsicht vergessend, setzte er
hinzu: »Wie darf ich wehren, Vater, was beschwerte Gewissen für sich als ein
Recht fordern? Jedermann weiß, dass die Kirche einer Besserung bedarf.«
    Die Brauen des Marcus zogen sich finster zusammen: »Der Hochmeister des
Deutschen Ordens ist verloren, wenn Misstrauen und übler Wille des Heiligen
Vaters sein Werk kreuzen. Nicht Eurer fürstlichen Gnade steht es zu, um die
Schäden der Kirche zu sorgen; denn für das große Geschäft Eures Lebens ist der
Heilige Vater ein Geschäftsfreund, den Ihr zur Zeit notwendig braucht. Dem König
von Polen gelingt besser, sich in Rom guten Willen zu sichern.«
    »Mein Oheim trennt sich ungern von seinem Golde, dennoch kann er leichter
volle Felleisen über die Alpen senden als ich. In seinem Lande zeigt er zwei
Gesichter, den Polen einen römischen Hofmann, den Deutschen einen nachgiebigen
Schutzherrn. So muss auch ich tun, Herr, denn unter meinen Augen löst sich von
dem alten Bau der Kirche ein Stein nach dem andern.«
    »Der große Dom, welcher die Christenheit umschließt, wird durch keine
Neuerung zerworfen werden«, antwortete Marcus mit gehobenem Haupt, »und ich
flehe in Ehrfurcht, dass mein gnädigster Herr um des eigenen höchsten Vorteils
willen auch im Reiche die Gemeinschaft mit den Sektierern sorglich meide. Denn
von wildem Rausche sehe ich die Menschen erfasst, Gelübde sollen nicht mehr
gelten, frech verkünden die neuen Lehrer Befreiung von jeder lästigen Pflicht,
überall ist der Friede in Unfriede verkehrt und Krieg zwischen den Herzen,
welche zusammengehören, die Dienenden erheben sich gegen ihre Herren, die Kinder
gegen die Eltern.«
    »Dennoch werdet Ihr es nicht tadeln, wenn ich einen Unfrieden, den ich nicht
zu schlichten vermag, für mich zu benutzen suche; Ihr selbst in Torn setzt Eure
Hoffnung darauf.«
    »Ungern tue ich es«, entgegnete Marcus finster. »Auch ist es nicht das
Gewissen des Unzufriedenen, auf welches Eure ergebenen Freunde Hoffnung setzen,
sondern die Sünde und Schwäche unserer Gegner; und Euch, gnädiger Herr, würde,
wenn Ihr im Lande geblieben wäret, wohl in wenigen Tagen die Kunde zugegangen
sein, dass die Bürger von Torn sich gegen das polnische Regiment erhoben haben
und
