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dem Messer. Wisse, Franke, verschieden sind die Pflichten des Lebens unter uns,
geradeso wie bei euch. Stehen wir auch alle als Schwurgenossen zueinander, so
folgt doch jeder dem Gesetz, welches seinem Berufe gegeben ward. Sieben sind der
Stufen zu dem höchsten Amt, auch bei uns arbeitet der Landbauer sorglos auf
seinem Acker, der Edle bewahrt seine Ehre, die Weisen hüten die Gedanken des
Volkes, und unser Vater, der Scheik, sorgt als ein Heiliger über alle. Die
Krieger und Weisen geben ihm Rat, wenn er ihn verlangt, sie sprechen Recht in
den Tälern und kämpfen mit den Feinden. Nur was gegen die Fremden geschehen muss
zur Ehre des Glaubens und der ganzen Bruderschaft, darüber waltet der Scheik
allein, denn dazu ist er von Gott begnadet, und sein Ausspruch, an dem wir nicht
deuten, ist unfehlbar.«
    »Wie mögt ihr euch, wenn ihr Männer seid, solcher Herrschaft eines Mannes
fügen, der eure Seelen und Gedanken führt, wie der Hirt die Schafherde?«
    »Auch ihr gehorcht, wie wir vernehmen, einem Scheik, den ihr den Heiligen
Vater nennt, er öffnet und schließt euch die Tore des Christenhimmels, und auch
ihr dient ihm willenlos auf den Knien.«
    Erzürnt rief Ivo: »Wage nicht, eure teuflische Lehre mit dem milden Gesetz
der Christenheit zu vergleichen. Unser Glaube ist durch heilige Verkündigung
festgesetzt, und alle unsere Bischöfe und frommen Väter haben darüber zu wachen,
dass er rein bewahrt werde. Unser Heiliger Vater ist nur der Erste unter ihnen,
und wir dienen ihm, soweit er weise und redlich ist. Mehr als einem Papst haben
Geistliche und Laien widerstanden, und er wurde herabgeworfen von seinem Stuhl,
weil er unwürdig war.«
    Der Fremde legte sich, ohne zu antworten, auf sein Lager zurück.
    Als Ivo dem Kaiser die Unterredung berichtete, sprach dieser: »Zeige ihm
Vertrauen, ich wette, es ist mehr Redlichkeit in diesem Heiden als in manchem
Christen.« Und auf Ivos ehrerbietige Mahnung, dass die Sicherheit des Kaisers
Vorsicht gebiete, versetzte er gleichgültig. »Wisse, du sorgsamer Deutscher,
wenn Messer und Gift eines Meuchlers den Kaiser zu erreichen vermöchten, so wäre
er längst aller irdischen Sorge enthoben. Oft war ich begierig, das Geheimnis zu
erkunden, welches die Bruderschaft vom Messer verbindet, denn ihr Scheik, wie er
auch sei, hat doch etwas Großes bewirkt, sein ganzes Volk gehorcht ihm bis zum
Tode. Wären sie die Bösewichter, wozu ihre Nachbarn sie gern machen, so hätten
sie sich längst untereinander gleich Ratten vertilgt. Bist du des Helden Hassan
besser gesichert, so will ich ihn selbst ausfragen. Denn er gilt in seinem Volke
für
