 trieb ihn unter das
schützende Obdach.
    Er hütete sich, Herrn Godwin etwas von seinem Abenteuer zu gestehen, als er
aber in den Hof des Richters kam und Friderun ihn mit herzlicher Freude empfing
und das Beste hervorholte, was sie aus Küche und Keller ihm anzubieten hatte, da
ging ihm das Herz auf, und nachdem er die ganze Reise des Herrn Ivo bis zum
Hafen berichtet und vielen Fragen der Magd geantwortet hatte, vertraute er ihr
auch über den Herd hinüber einiges von seinem späteren Schicksal, vor allem den
Unglimpf, welchen er im Dienste des Herrn Ivo erfahren hatte, und er freute
sich, dass Friderun ihn dabei aus ihren großen Augen so entsetzt anstarrte, als
hätte sie selbst das Unglück erlebt. Da er aber zuletzt gedrückt hinzufügte:
»Ich sorge, die Dame selbst oder eine ihrer edlen Frauen ist seine Herrin«, und
darauf zu der Magd hinübersah, war ihr Sitz leer und sie selbst wie ein Geist
verschwunden.
    Dagegen stand in der Tür eine große Gestalt und die Hand des Richters fiel
schwer auf seine Schulter. »Ihr haltet übel den Vertrag, dem Ihr Euch gelobtet.«
    Beunruhigt durch die finstere Miene des Alten, sagte Nikolaus: »Ich dachte,
Herr, die mühsame Arbeit sei Euch selbst verleidet.«
    »Ich aber rate Euch, dass Ihr Eures Eides gedenkt«, versetzte der Alte
feierlich. »Folgt mir, denn die Zeit ist gekommen, wo Ihr mir deuten sollt, was
ich selbst nicht zu lesen vermag.« Er führte den betroffenen Schüler in die
Kammer, öffnete die Truhe, hob einen Pack heraus, den er sorgfältig in Leinwand
geschlagen hatte, und enthüllte eine Anzahl Pergamentblätter, gebräunt und
vielgebraucht, das Aussenblatt durch dunkle Flecke entstellt. Der Richter setzte
den Daumen an die Flecke. »Der mir dies gab, sagte aus, dass hier Blut eines
Mannes ist, welcher getötet wurde, weil er diese Blätter zu lesen vermochte.«
    Nikolaus sah entsetzt auf das Pergament, sein Grauen überwindend, schlug er
die Blätter um, aber er legte sie nach wenigen Augenblicken wieder weg, sein
rötliches Antlitz war erblichen und seine Augen fuhren angstvoll umher, während
er den durchbohrenden Blick des Richters auf sich gerichtet fühlte.
    »Versteht Ihr, was in dem Buche steht?«
    »Es ist die Verkündigung, welche sie das Evangelium des Markus nennen, und
es ist in deutscher Sprache geschrieben. Diese Bücher sind ein Geheimnis der
Unseligen, welche von den Pfaffen Abtrünnige und Ketzer genannt werden. Ein
solches Buch lesen, bringt, wie ich fürchte, den Tod.«
    »Gilt bei den Schriftkundigen für Wahrheit, was hierin geschrieben steht?«
    »Es ist ein Teil der heiligen Offenbarung.«
    »
