 wäre zurückgeblieben an meiner Statt, wenn die Sorben und ich selbst
seinen Antrag angenommen hätten. Und darum war mir leid, dass ich ihn in der
Wildnis nicht fand, obwohl ich ihn mit meinen Gesellen drei Tage gesucht habe.
Das sage ich euch, damit ihr es wisst, nicht dem Bischof, welcher mir
widerwärtig denkt.«
    Als Ingram so trotzig gegen den Bischof sprach, entstand Gemurr der Christen
und rühmendes Waffengeklirr der Heiden. Ingram aber fuhr fort: »Doch eine
größere Sorge bedrängt mich, und darum will ich euch fragen. Ich bin dem Ratiz
entwichen, weil er gegen den Vertrag an mir handeln wollte, aber ich fuhr ohne
Lösung aus den Banden. Und die Sorben werden mich fortan einen entlaufenen
Knecht schelten, das nagt mir am Herzen.« Er stampfte mit dem Fuße auf den
Boden. »Wissen will ich, ob meine Landsleute mich auch dafür halten, und ob sie
laut oder in der Stille beistimmen, wenn ein Feind im Lande solche Schmährede
gegen mich wagt. Und denkt ihr darum niedrig von mir, so sattle ich zur Stelle
mein Ross und reite aus dem Lande, so lange, bis ich den Ratiz und seinen Haufen
finde und dort mir ehrliche Ausfahrt suche aus der Hülle meines Leibes.«
    Tiefe Stille folgte seinen Worten, endlich begann Asulf, der älteste unter
den versammelten Edlen: »Verhält es sich, wie du sagst, haben die Sorben die
Schatzung versprochen und dich nachher für das Opfermesser bestimmt, so darf
dich kein redlicher Mann darum schelten, dass du ihre Weiden zerschnitten hast,
sobald du vermochtest. Dass du aber mit dem fremden Räuber um Ross und Schwert und
deine Freiheit gespielt hast, solche wilde Tat liegt fortan auf deinem Leben, du
musst sie tragen und niemand kann dir die Last abnehmen. Mancher wird es für ein
lustiges Wagstück halten, weil du dich doch wieder entledigt hast, mancher auch
für eine Kränkung, die du dem Gedächtnis deiner Vorfahren zufügtest. Sorge,
Held, dass deine Landgenossen in Zukunft anderes preisen, was du ruhmvoll tust.«
    Die Christen stimmten dem Häuptling bei, und die Heiden schwiegen, aber
keiner widersprach. Wieder war tiefe Stille, da begann Winfried; »Nicht meines
Amtes ist es, über das weltliche Lob eines Kriegsmannes zu entscheiden, das
steht euch allein zu, Häuptlinge des Volkes. Nur eines darf ich euch sagen,
liebevoll und barmherzig ist der Gott, dem ich diene, und er richtet nicht nur
über die Taten der Menschen, auch über ihre Gedanken. Manches wilde Werk
beurteilt der Himmelsherr wohl gnädiger, weil er den Sinn der Menschen
durchschaut. Gefällt's euch, ihr Edlen und Weisen, so fragt den Krieger, weshalb
er so
