 dem ich
mich gelobt hatte, um Rettung für die Menschheit aus unserem Elend. Da kam in
mich die Botschaft des Heils, wie eine Feuerflamme fuhr sie mir durch die
Glieder, dass ich in Schreck und Seligkeit hoch aufsprang. Denn mir wurde
offenbart, was dem Menschenvolk Rettung bringt, eine neue Zucht für die
Zuchtlosen und neue Vereinigung für die Verfeindeten. Geschwunden ist die
Herrschaft der Römer, aber zu Rom wohnt jetzt der fromme Nachfolger der Apostel.
Er soll werden zu einem oberen Richter aller Herzen und Gewissen, und soll auf
der Erde walten als der große Häuptling des Himmelskönigs. Wir aber sollen ihm
alle ebenso im Glauben dienen wie den Königen und Häuptlingen in weltlichen
Werken. Und mein ist das Amt, die Völker der Erde zu seinem Dienst zu führen,
Friesen, Sachsen, Hessen, Thüringe, und wenn mir der Herr gnädig ist, auch die
wilden Horden, welche sich Wenden nennen. Den Frieden meines Gottes will ich
allen bringen. Damit der Glaube für die Völker der Erde heilkräftig werde, will
ich sie lehren, dass ein einiger Gott über ihnen waltet, ein großer Wirt in der
Himmelsburg, und hier auf Erden als sein Vogt der Bischof zu Rom, ehrwürdig und
gewaltig über alle. Einheit der Lehre soll auf Erden sein, und Einheit im
Gehorsam, damit auch Einheit in der Liebe werde. Darum habe ich gepredigt unter
den Friesen und Hessen, darum bin ich selbst nach Rom gezogen und habe mich auf
meinen Knien dem Papst in seine Hände gelobt als Mann meines Gottes, und darum
wandere ich jetzt hier durch das Unkraut der wilden Täler allein mit dir, Knabe,
denn austilgen will ich den Jammer der Welt und Heil allen verkünden, die jetzt
im Elend sind. Solches hat mir unser Herr in jener Angstnacht geboten.«
    Der Jüngling küsste ihm ehrfurchtsvoll die Hand. Winfried hielt sie fest und
sprach ruhiger: »Du mein Liebling, der du die Jahre eines Knaben hast und den
Sinn eines Weisen, du bist mir treu, und wenig Gedanken gibt es, die ich dir
verberge. Nicht die Heiden sind es, die mir die größte Not bereiten, größer ist
die Arbeit, die ich habe, wo ich Hilfe erwarten könnte. Die Franken, welche sich
Christen nennen, ihre Bischöfe, die zuchtlosen Frevler von denen jeder mit allen
anderen streitet, die sind, dünkt mich, die schlimmeren Wölfe. Ein würdiger Mann
ist der Bischof zu Rom. Aber auch er sah mich zuerst an wie einen Unsinnigen,
als ich vor ihn trat und ihm bekannte, dass er der höchste Herr werden müsse über
den Glauben der Männererde, um uns alle zu retten. Viel Eigennutz gibt es dort
und Gier nach weltlicher Herrschaft;
