 eben gesprochen, gesprochen
mit seiner tönenden Stimme, in dem breit markierenden Tone, der schlagen musste.
- »Gotteslästerung, Unglaube, Gottesleugner - diese Lieblingsschlagwörter Ihrer
Partei darf man allerdings in ihrer Wirkung nicht unterschätzen,« fuhr Herr
Klaudius fort. »Mit ihnen hauptsächlich vollziehen Sie die unglaubliche
Tatsache im neunzehnten Jahrhundert, dass sich ein großer Teil der aufgeklärten
Menschheit einer Schar engherziger Fanatiker äußerlich unterwirft - viele,
selbst Leute von Geist, scheuen immer noch einen gewissen Einfluss dieses, wenn
auch sehr abgenutzten Anatemas auf die großen Massen und schweigen lieber,
gegen ihre bessere Überzeugung - und das gibt dem Tronsessel Ihrer Partei noch
für eine Spanne Zeit tönerne Füße.«
    Der Stuhl unter den Händen des Buchhalters schütterte und schwankte, Herr
Klaudius ließ sich jedoch durch das Geräusch nicht beirren.
    »Ich bin ein Verehrer des Christentums - verstehen Sie mich recht - nicht
der Kirche,« fuhr er fort. »Ich habe auf Grund meiner eigenen Überzeugung
deshalb auch an der Verfügung aller meiner Vorgänger festgehalten, nach welcher
ein frommer Sinn unter den Arbeitern der Firma gepflegt werden soll - nie aber
werde ich dulden, dass mein Haus zu einem Brutnest religiöser Verirrungen gemacht
wird ... Ein Handlungshaus, das die Fäden seiner Beziehungen über die Meere
hinüberwirft und sie im türkischen, im chinesischen, in jedwedem Boden wurzeln
lässt, und die finstere Ortodoxie, die Unfehlbarkeit im Glauben, die sich in ihr
fest zugekittetes Schneckenhaus verkriecht - eine widersinnigere Verschmelzung
gibt es nicht! ... Müssen unsere jungen Handlungsreisenden, die Sie so beflissen
sind, ortodox zu erziehen, nicht entsetzlich heucheln, wenn sie mit denen, die
sie als von Gott verworfene Andersgläubige verachten, in freundlichen
Geschäftsverkehr treten sollen? ... Ich kann es mir selbst nicht verzeihen, dass
der finstere Geist unbemerkt so lange neben mir herwandeln durfte, dass meine
Leute leiden mussten -«
    »Ich habe niemand gezwungen!« fuhr der Buchhalter auf.
    »Allerdings nicht mit der Knute in der Hand, Herr Eckhof - wohl aber mittels
Ihrer Stellung zu den Leuten ... Ich weiß, dass zum Beispiel unser jüngster
Kommis, ein mittelloser Mensch, der von seinem Gehalt eine verwitwete Mutter zu
unterstützen hat, weit über seine Kräfte zu Ihrer Missionskasse beisteuert, von
deren Existenz ich bisher keine Ahnung hatte. Unsere sämtlichen Arbeiter und
Arbeiterinnen lassen sich geduldig allwöchentlich einen Beitrag zu der genannten
Kasse von Ihnen abziehen, weil sie - nicht anders dürfen, weil sie der Meinung
sind, dass Sie alles bei mir vermögen und ihnen schaden könnten ... Bedenken Sie
denn nicht, dass diese Leute ihren Glauben ohnehin teuer genug bezahlen müssen?
Tritt nicht die Geistlichkeit bei jedem ihrer wichtigeren Lebensmomente mit der
offenen Hand an sie heran? Ihre
