 werde oft genug warnend
und verbietend zwischen Sie beide treten müssen.«
    Hätte je ein Funken von Sympatie für diesen Mann in mir gelebt, bei seinem
letzten, so rücksichtslos unumwundenen Ausspruch wäre er erloschen. Er rächte
sich in diesem Augenblick bitter für Charlottens Plauderei hinsichtlich der
Hinterstube - ich wusste es wohl - das war wieder einmal die hinterlistige Art
und Weise der Revanche, die Dagobert so tief erbitterte. ... Und zu allem gab
mich Ilse diesem steifen, eingerosteten Zahlenmenschen ohne weiteres in die
Hände. Er steckte mich zwischen vier Wände, ließ mich lernen, sprach von den mir
am meisten verhassten Schreibübungen, und in alles, was ich tat, guckten die
verabscheuten Brillengläser. Er sprach schon vom Verbieten und betonte vor allem
meine schlechte Handschrift, die sich bessern müsse. Wenn er geflissentlich mein
ganzes Wesen zu Widersetzlichkeit und Aufruhr reizen wollte, so konnte er kein
wirksameres Mittel ersinnen, als diese verhassten Schreibübungen, die er mir fürs
erste zudiktierte. Es regte sich auf einmal etwas von der heimtückischen
Schlauheit der Katze in mir.
    »Sie werden mich recht viel schreiben lassen, nicht wahr?« fragte ich ganz
ruhig und scheinbar unterwürfig.
    »Und dazu haben Sie keine Lust,« sagte er, statt aller Antwort -
abscheulich! Er las mir die Gedanken vom Gesicht.
    »Nein, dazu habe ich nicht die mindeste Lust!« bestätigte ich zornig.
»Stecken Sie mich hinauf in die Bibliothek und lassen Sie mich lesen, und wenn
ich monatelang keinen Atemzug frische Luft schöpfen und kein grünes Blatt sehen
darf - meinetwegen, ich will's ertragen, ich tue es, aber schreiben! Nein! ...
Es ist schrecklich, immer auf das weiße Papier zu sehen und eine krumme und
gerade Linie nach der anderen hinzumalen, und unterdessen spukt und quirlt es
durcheinander im Kopfe und vor den Augen, und die Füße finden keine Ruhe unter
dem Tische - dann kommt es mir siedend heiß herauf und klopft in den Schläfen,
und ich springe auf und muss laufen, soweit mich meine Füße tragen!«
    Er lächelte auf mich nieder. »Ich kann mir denken, dass sich Ihre ganze Natur
gegen das rein Mechanische sträubt,« sagte er. »Sie wissen ja noch nicht, dass
die Feder ein beseeltes und beschwingtes Wesen in unserer Hand wird, dass sie
alles das, was Ihnen im Kopfe spukt und durcheinander quirlt, ausströmen kann -
wer sollte Sie auch darauf hingeleitet haben! ... Aber fragen Sie doch Ihren
Vater - er hat mit der Feder in der Hand der Wissenschaft unberechenbar genützt,
er wird ohne sie nicht leben wollen.«
    »Nun, dann will ich Ihnen auch sagen, dass ich sie gerade deshalb
