 dem großen Doktor, zu dem er es bringen werde. Und seltsam!
Keiner lachte über den kleinen ernstaften Mann.
    Wieder später sahen wir ihn sich zu einem Schutzherrn über die reifende
Jungfrau erheben. Er hütete sie mit einer Art von Eigentumsrecht: wie ein Blitz
rachsüchtigen Grimms zuckte es in seinen forschenden Augen bei jedem
Beifallszeichen eines Fremden, die Fäuste ballten sich bei einer unziemlichen
Neckerei über die hübsche Kellnerin; gewiss, er hätte den Beleidiger morden
können, der ihm seine Blume entweihte. Dass dieser Mensch eine Seele habe neben
dem stolzen, spekulativen Geist, eine zärtliche, bedürftige Seele, das
offenbarte sich ausschließlich in seinem Verhalten gegen das Kind, von welchem
er, wie von seiner Kunst, aus eigener Machtvollkommenheit Besitz ergriffen
hatte.
    Mit Genugtuung sah demnach Mosjö Per-sé sein »kleines Anwesen« (zwischen den
Gänsefüsschen allemal Papa Reckenburgscher Humor!) unserem Familienkreise
eingereiht. Hier war sie geborgen, hier schulte sie sich für eine
gesellschaftliche Stellung, die er a priori für sich selbst in Anspruch nahm.
Er, der so selten lächelte, strahlte vor Entzücken, wenn er an den geschilderten
Tanzabenden den zierlichen Schmetterling auf und nieder schweben sah, oder das
silberne Stimmchen fix und fertig in einer Mundart plappern hörte, die er selber
nicht verstand.
    Das Verlangen nach seinem Augentrost führte ihn daher auch öfter, als es
wohl sonst geschehen sein würde, in das Reckenburgsche Familienzimmer, und wurde
er auf diese Weise Dörtchens Kameradin eine Art von Kamerad.
    »Sie begreifen das, Fräulein Hardine,« pflegte er zu sagen, wenn er mich -
und mich allein - zur Vertrauten neuer Wahrnehmungen und Folgerungen in seiner
jugendlichen Praxis oder des Zweckes und Zieles seiner Ausflüge machte. Die
Gedanken der Jungfer Grundtext wurden durch diese Aphorismen in Bahnen gelenkt,
welche der ehrliche Christlieb Taube nicht zu eröffnen verstand. Und so war es
der Sohn und Gehilfe eines Barbiers, der mir in meinem gefährlichen Alter die
Langeweile der Intelligenz verscheuchte, dem jugendlichen Verlangen Salz und
Würze bot. Nicht ihm zu gefallen, aber ihn zu verstehen, strengte ich mich an.
Mosjö Per-sé war der Mensch, der mich im fünfzehnten Jahre mehr als ein späterer
im Leben, wie man es nennt, interessiert hat.
    Die leiseste Andeutung seines Berufs stockte hingegen, sobald sein Dörtchen
in unsere Nähe trat, und zwar nicht darum, weil er sie vielleicht einmal bei der
bloßen Erwähnung von Blut und Wunden hatte erbleichen oder sich die Ohren
verstopfen sehen, sondern einfach, weil er seinen Beruf in ihrer Nähe vergaß,
weil sein Pulsschlag einen anderen Takt annahm, und die Strebenslast von ihm
wich unter dem Behagen einer Herzensweide.
    Und Dorotee? werdet Ihr fragen. Ahnte das leichtblütige Kind das Bedeuten
einer solchen Natur
