 dieser feierlichen
Gelegenheit als Opfer darzubringen. Sie hatte von ihrer Patin einen schweren,
schwarzen Stoff als Abendmahlskleid verehrt erhalten, während für mich nur das
zurecht gestutzt worden war, das schon der Mama bei ihrer Einsegnung gedient.
Ich im abgetragenen, angestickten Habit, sie nagelneu von Kopf zu Fuß; die
Kleine verging fast vor Scham bei dieser Vorstellung und ruhte nicht, bis sie
einen Ausgleich erklügelt hatte. Schenken durfte sie mir das wertvolle Angebinde
nicht, denn wie hätte solch ein hohes Glück sich für sie geschickt! Aber sie
wollte ihr altes schwarzes Sergekleid anlegen, um mir ranggemäss zur Seite zu
stehen. Sie wollte es durchaus, kehrte wieder und immer wieder mit ihrer
demütigen Bitte zurück. Selbstverständlich vergebens. Ich trug eine
Perlenschnur, welche die Mutter als eigenes Patengeschenk auf mich vererbte.
Aber es hätte dieses Kleinods nicht bedurft. Eberhardine von Reckenburg würde
sich nicht beschämt gefühlt haben, auch wenn sie selber in Zindel und Dorotee
Müllerin in Brokat einhergeschritten wäre.
    Der rauschende Gros de Tours störte übrigens, zu meiner gerechten
Entrüstung, die andächtige Sammlung meiner Abendmahlsschwester; sie strich mit
der Hand darüber hin und schmunzelte bei dem scharfen, knisternden Geräusch, sie
stieß mich während des Liedes an und blinzelte zu mir hinauf, um mir die Blicke
bemerklich zu machen, welche die Versammlung auf sie richtete. Die liebe
Unschuld dachte ihr stolzes Gewand für das Aufsehen, das ihre Schönheit erregte,
verantwortlich machen zu müssen. Ich selber hingegen war, jene Entrüstung
abgerechnet, mit ungestörter Ernsthaftigkeit bei der wichtigen Feier, und der
Bibelvers, der uns als Geleitspruch fürs Leben erteilt ward, hat der Jungfer
Grundtext tiefste Gedanken nachhaltig angeregt. Denn es war einer von denen, die
gar leichtverständlich klingen und doch selten von uns Weltkindern richtig
verstanden werden: »Welche der Geist Gottes treibt, die werden Gottes Kinder
heißen«.
    Ja, welches war denn nun aber der Geist, der uns in das Vaterreich treiben
soll? War es der, welcher über den Wassern schwebt, der Geist des Schaffens und
Förderns, des Umbildens der natürlichen Kräfte, der den versunkenen Garten Eden
auf Erden wiederherzustellen strebt? Oder war es der, welcher auf den
Gesetztafeln verzeichnet steht, der Geist der Ehrfurcht, des Rechtes und der
Treue? Von beiden diesen Geistern würde ich mich willig aus dem Diesseit in das
Jenseit haben treiben lassen.
    Allein man hatte mich auch noch von einem dritten Geiste gelehrt, von einem,
der jenen beiden ersten oft schnurstracks zuwiderzutreiben schien. Von dem
Geiste, der die Sorge für den anderen Tag verdammt, der dem ehebrecherischen
Weibe vergibt und dem Beleidiger die Wange reicht. Der Geist stimmte nicht zu
meinem natürlichen Willen, und das siebenfache Selig, das der Erlöser über die
erneute Menschheit ausgesprochen
