 Haus gegen seinen Beruf zurücksetzt; jeder
Staatsdiener größeren Stiles tut es, muss es tun. Lassen Sie mich hinzufügen, dass
ich mich im Augenblicke dringender denn je in diesem Zwiespalt der Pflichten
befangen sehe. Das Oberpräsidium der Provinz, das mir angetragen worden ist -
als Durchgangsposten zu einem höheren, ich weiß es -, würde mich dauernd aus
dieser Gegend entfernen; aufrichtiger: es wird mich entfernen, denn ich kenne
zum voraus meine schliessliche Entscheidung, und die Frage ist nur, ob ich mit
leichtem oder schwerem Herzen scheiden soll.«
    Er machte eine Pause. Auch ich schwieg. Dann fuhr er fort:
    »Legen wir unsere Hände ineinander, Verehrteste. Es ist ein Vertrauen, wie
es Ihnen nicht reiner geboten werden kann. Sie fügen zu der unbeschränkten
Verwaltung Ihres Besitztums die des meinigen nach freiem Ermessen. Die Aufgabe
ist nicht zu groß für Sie. Sie werden, wie dem Vater die Stattalterin und
Gehilfin, so den Söhnen die leitende Freundin, der sie so dringend bedürfen. Wie
keine zweite sind Sie die Frau, welche Knaben den Vater zu ergänzen und
allenfalls zu ersetzen vermag. Sie sind streng und wachsam, und Sie werden
gerecht sein, weil Sie die Anlagen des Mannes nach den eigenen messen dürfen.
Mein ältester Sohn würde die Militärschule verlassen und sich unter Ihrem
erweckenden Einfluss zum Landwirt und Majoratserben ausbilden. Sie würden für die
jüngeren die Lebensstellung ausfindig machen, welche, bei beschränkteren äußeren
Mitteln, ihren Anlagen entspricht, und wenn es dem Vater, mit beruhigtem
Gewissen, gelingt, seine Bestrebungen für das Vaterland durchzuführen, so wird
das Gute, das er wirkt und genießt, in dem Buche Ihrer Segnungen verzeichnet
stehen.«
    Nun, da sah ich einen Turmplan für mein Haus! Da hatte ich ja einen
Familienzusammenhang bei ungestörter Freiheit für mich selbst, eine Tätigkeit,
der gemäß, an welcher sich meine Kräfte erprobt hatten, und eine zweite in den
Kauf, an der sich neue Kräfte erproben konnten, erproben würden, wie ich mir
zutrauen durfte. Denn wenn ich auch schwerlich die Stütze gewesen wäre, an
welcher ein schwächliches Pflänzlein sich in die Höhe rankt, zu rau für eine
Töchtermutter vielleicht; Zucht und Schnitt verwilderter Schösslinge, die hatte
ich an meiner Bauernschaft üben gelernt und hätte sie wohl auch an einer
feineren Rasse bewähren lernen. Der Mann hatte recht; ich war eine Vormünderin,
eine Stiefmutter für Knaben. Warum zögerte ich denn noch, warum sagte ich denn
nicht ja und Amen zu dem guten Wort.
    War die einsame Gewöhnung denn so mächtig in der Eremitin des neuen Turms?
Achtete sie die Welt so hoch, deren drastischen Humor eine Altjungfernheirat zu
erwecken pflegt? Oder gab sie der Flüsterstimme Gehör, die in ihrem Innersten
