 eingerichtet und
ausstaffiert mit dem alteimischen Gerät, bot hinlänglich Gelass für die Stunden
der Ruhe. Ich hegte keine ästhetischen Liebhabereien, keine geselligen
Neigungen, welche das Zeitwesen mir ohnehin verleidet haben würde; ich war ohne
beanspruchenden Familienzusammenhang, und frei von jener gemütlichen
Liberalität, die, weil sie nicht »nein« zu sagen vermag, die reichsten Mittel
der Kreuz und Quer zersplittert. Summa Summarum: Natur und Schicksal hatten mir
die Beschränkung leicht gemacht, welche jedes bildende Streben heischt.
    Was aber solchem Streben erst die Befugnis gibt: Ort und Stunde, auch sie
waren mindestens nicht ungünstig für das meine. Inmitten welterschütternder
Ereignisse blieben mir volle sechs Friedensjahre für einen gründlichen Unterbau.
Das Gut lag seitab der großen Heerstrassen, und fehlte es auch nicht an
Durchzügen, Lieferungen und Aushebungen, trug man seine Lasten auch mit saurem
Gesicht, weil sie sich Freunde nannten, die man als Feinde hasste; mein Bauplan
würde unter dem so hart um den Rest seiner Selbständigkeit ringenden
Nachbarstaate nicht gediehen sein, wie unter dem ruhigen Vasallentum des
unseren. Ihr kennt diesen Plan: es galt die reiche Kultur eines herrschaftlichen
Grundbesitzes auszudehnen über einen armen Gemeindeverband.
    Wenn nun Kanäle und schützende Deiche, bequeme Fahrstrassen, entsumpfte
Brüche und wohlregulierte Forsten sich auch über die dörfliche Flur
verbreiteten; wenn zu allgemeinen Zwecken Bauholz gefällt, Ziegelöfen errichtet
wurden, Lasten von Bruchsteinen stromauf- und -abwärts landeten; wenn Schul- und
Gotteshaus aus dem Ruin erstanden, und endlich an Stelle der wüsten,
ekelerregenden Hüttentrümmer reinliche Dorfschaften sich ausbreiteten, die ich
unter dem Gemeinnamen »Reckenburg« zusammenfasse: so war alles das, was
scheinbar als Resultat gefällig in die Augen springt, doch nur das Mittel zum
Zweck und ein bequemes Mittel für eine freie, volle Hand. Der Zweck meiner
Aufgabe und ihre Schwierigkeit, die hießen: ein erneuertes Menschengeschlecht
inmitten der erneuerten Flur; eine kräftige, arbeits- und ordnungstüchtige
Bauernschaft in der Gemeinde von Reckenburg. - »Majestät Fritz in Pommerellen«,
so nannte mich neckend mein guter Propst in seinen ermunternden Briefen; und in
der Tat war es solch ein hungerndes, lungerndes pommerellsches Völkchen, über
das ich das Regiment usurpierte. Ja usurpierte; denn nicht mehr die
Erbuntertänigkeit, nur die Not und der anlockende Zauber des Eigentums machte
sie zu meinen Sklaven. Die fruchtbringenden Liegenschaften auch der freien
Bauern waren in Zeiten der Drangsal an die Herrschaft verschleudert worden, kaum
mehr als dürftige Fetzen Heide- und Bruchlandes in den Händen von Wilddieben,
Schmugglern und fronpflichtigen faulen Tagelöhnern zurückgeblieben. Just aber
auf diesem Grundstück des Übels beruhte meine Zuversicht der Heilung. Denn in
den üppigsten Landschaften entartet und auf dem kümmerlichsten Boden fördert
sich die Kultur. Der Acker, der lange Zeit Öl und Zuckerfrüchte getragen hat,
