 Gottes freiem Himmel, die mir rings um ihn
erschlossen blieb.
    Ihr seid noch zu jung, meine Freunde, seid, gottlob! zu beglückt durch Euer
wechselseitiges Selbst, um zu ermessen, wie solch eine Werkstatt unter freiem
Himmel einem Menschen zur Welt, ja zum Schicksal werden kann. Aber macht einen
alten Bauersmann gesprächig, und Ihr werdet über seine Erlebnisse auf der armen
Hufe staunen.
    Nun jedoch eine Schöpfung, wie die der Reckenburg, so mühsam umgewandelt, so
weithin angewachsen, so fruchtbringend schon heute, so segenverheissend für eine
kommende, freiere Zeit, da wird jeder Findling des Feldes zu einem
weiterfördernden Mittel, die kümmerlichste Pflanzung zu einem beseelten Wesen.
Wir sehen die Ernte in dem aufgehenden Halm und in der absterbenden Stoppel die
Befruchtung für eine neue Saat. Uns schmerzt jeder Baum, dessen Alter der Axt
verfällt, und wir freuen uns jedes jung aufstrebenden Keims; wir führen fremde
Kolonisten in die beschränkte Gesellschaft, die unserer Scholle von alters her
entspross, unsere Kenntnis wächst, die Erfahrung wird bunter mit jeder Färbung
und Form.
    Und wie befreunden wir uns mit der tierischen Kreatur; wie forschen wir nach
ihren Trieben, Sitten und Gesetzen, lernen ihre Lebensart verbessern und ihre
Gaben immer reichlicher verwerten! Seht Eure Herden Tag für Tag auf ihrer Trift,
und Ihr unterscheidet an jedem einförmigen Schaf oder Rind ein Gesicht und ein
Geschick.
    Endlich aber, ganz zuletzt, die menschlichen Genossen in dieser
abgeschiedenen, kleinen Welt. Es ist kein Paradiesesgarten, meine Freunde.
Gleichgültiger als an der weidenden Herde geht der Fremdling an den stumpfen,
entarteten Gestalten vorüber, schätzt sie niedriger als das Wild des Waldes in
seiner unverkümmerten Schöne und dem ungebrochenen Instinkt. Aber Schritt für
Schritt schwinden Ekel und Langeweile, wächst der aufmerkende Trieb. Allmählich
werden sie uns vertraut, die platten Gesichter, denen wir jede Stunde begegnen,
deren mühseliges Tagewerk wir verfolgen von der Wiege bis zum Grabe. Wir
schütteln die raue Hand, die mit uns arbeitet an der Umbildung unserer
heimatlichen Scholle, dringen aus dem allgemeinen in das persönliche Leben
zurück, forschen nach der Spur des göttlichen Ebenbildes in unserem
Mitgeschaffenen, streben, sie ihm selber kenntlich zu machen und ihn höher zu
fördern in der Reihe der Wesen, die einen Schöpfer ahnen und bekennen.
    Solch eine kleine Welt war mir untergeordnet, mir zunächst, ja mir allein.
Sie hatte ich zu schützen vor dem Verfall, welchem eine wahnsinnige Leidenschaft
sie preisgab; sie der Zukunft zu erhalten, gleichviel, ob dieselbe mir oder
einem Fremden zugute kam; und je schwieriger der Ringkampf um die Mittel, desto
tiefer wurzelte die Neigung, desto hartnäckiger der Widerstand. Diese
uneigennützige Liebe ist mein Verdienst um Reckenburg, weit mehr als die freie,
beglückende
