 Gefährten dazu, wie ihn sich ein Jüngling, der den Ehrgeiz hatte, es in
den bewussten brotlosen, verderblichen Künsten möglichst weit zu bringen, nicht
passender wünschen konnte. Des »Wilden« Auge und Hand waren vielleicht nicht
mehr so sicher, wie sie es vor zehn, zwanzig Jahren gewesen, dennoch war er noch
immer ein trefflicher Schütz und ein Meister in Allem, was die Jägerei betraf.
Niemand wusste besser als er, wo man das Wild zu suchen habe, Niemand hatte so
gut dressirte Hunde und wusste sie so gut zu führen, Niemand die Zufälligkeiten
der Jagd so geschickt auszubeuten; Niemand, vor Allem, war ein besserer Kamerad.
Wenn sein Feuereifer während der Jagd Alle mit sich fortriss, so konnte keiner
das far niente des Rendezvous am kühlen Waldessaume oder in dem dünnen Schatten
von ein paar Bäumen am Rande eines Grabens mitten in den Feldern so behaglich
auskosten, und die müde Gesellschaft mit allerlei Scherz und Spott und
meisterhaft erzählten Geschichten köstlicher unterhalten. Am liebenswürdigsten
freilich erschien er mir immer, so oft ich mit ihm allein durch das Revier
schweifte. Wenn er auf den größeren Jagden sein herrschsüchtiges Wesen weder
verleugnen konnte noch wollte, und ihn die größeren Erfolge eines Andern mit
einem Neid erfüllten, der sich in bitteren Sarkasmen Luft machte, so war von dem
Allen in meiner Gesellschaft keine Spur. Er lehrte mich alle Kunstgriffe und
Auskunftsmittel, an denen er so reich war, und war entzückt, als er an mir einen
so gelehrigen Schüler fand, ja lachte jedesmal herzlich, wenn ich mir erlaubte,
ihm ein Huhn wegzuschiessen, auf das er für sich gerechnet hatte.
    Und dann sein Geplauder, dem ich mit immer neuem Entzücken zuhörte! Es war
die seltsamste Mischung von köstlich erzählten Anekdoten aus seinem
abenteuerreichen Leben und beissender Satire gegen die Menschheit, besonders
gegen die schönere Hälfte derselben. Die Frauen hatten im Leben des Wilden eine
große und verhängnisvolle Rolle gespielt. Wie so viele Menschen von heftigen
Leidenschaften und glühender Sinnlichkeit, hatte er wohl nie nach wahrer Liebe
gesucht und machte jetzt den Frauen ein Verbrechen daraus, dass er dieselbe nie
gefunden; auch bei jenem unglücklichen Mädchen nicht, das er unter so
schauerlichen Umständen aus seiner Heimat entführte, und das ihm nichts
mitbrachte als den Fluch seiner Eltern, eine nur zu schnell verblühende
Schönheit und einen gänzlich ungebildeten, vielleicht bildungsunfähigen,
bigotten Geist, der den Keim des Wahnsinns schon in sich trug. Dass er, der
damals bereits Vierzigjährige, der viel Umgetriebene, viel Erfahrene, sich
einzig und allein die Schuld zuzumessen hatte, sich alles Unheil und Unglück,
welches aus einer so frevelhaften, sinnlosen Verbindung hervorgegangen war,
selbst zuschreiben musste - das einzusehen, anzuerkennen, fiel ihm aber natürlich
nicht ein. Er
