 Vermögen und stelle es Ihnen zur Disposition. Wer
weiß, ob ich damit nicht ein gottgesegneteres Werk tue, als wenn ich es im
Sinne meines alten Vaters zur Unterstützung von Waisenhäusern und dergleichen
kinderreichen Zwecken benutzte. Sie sind ja auch eine Waise; ich handle also,
indem ich Sie unterstütze, wenn auch nicht in dem Sinne, so doch nach den Worten
des frommen Mannes, und würde mich für mein Teil vollkommen dabei beruhigen.«
    »Aber ich mich nicht,« erwiderte ich lachend.
    »Lachen Sie nicht, Sie Ungetüm!« rief der Doctor; »Sie scheinen nicht
begreifen zu können, wie ernst es mir mit meinem Vorschlage ist. Nehmen Sie mein
Geld - es sind fünfzigtausend Taler oder dergleichen - associiren Sie sich mit
dem Kommerzienrat, oder lieber, gründen Sie selbst eine Koncurrenzfabrik und
heben Sie den Mann aus dem Sattel; werden Sie in wenigen Jahren Deutschlands
erster Fabrikant und Maschinenbauer, und -«
    Dem Doctor war, während er dies mit fieberhafter Lebendigkeit sprach, das
Blut in beängstigender Weise in den Kopf gestiegen; auch brach er plötzlich ab,
und ich habe erst viel später erfahren, was er mir in diesem Augenblicke mit
solcher Anstrengung verschwiegen hatte. Mag sein, dass mein Kopf in Folge des
langen Sitzens hinter dem Grogglase auch nicht mehr der klarste war; ich kann
mir wenigstens nur so die Hartnäckigkeit erklären, mit welcher ich auch jetzt
noch dem Doctor widersprach und behauptete, dass meine Liebe zur
Selbstständigkeit mir nie erlauben würde, das Vermögen und die Hilfe eines
Anderen zu Fundamentsteinen meiner Existenz und meines Glückes zu machen.
    »Wissen Sie, was Sie damit proklamiren?« rief der Doctor in seinen
allerhöchsten Tönen, indem er dabei voller Zorn auf den Tisch schlug, - »dass Sie
ein Lump bleiben wollen, ein ganz erbärmlicher Lump, denn das ist noch ein Jeder
geblieben, der die Dummheit gehabt hat, sich mit der eigenen Faust an dem
eigenen Zopf aus dem Sumpfe zu ziehen. Nein, nein, mein Guter! die Kunst ist,
Andere für sich arbeiten zu lassen. Wer das nicht versteht, ist ein Lump und
bleibt ein Lump.«
    »Was würde unser großer Freund sagen, wenn er Sie so reden hörte!« sagte ich
kopfschüttelnd.
    »Hat er nicht im Leben und im Sterben die Wahrheit meines Satzes bewiesen?«
kräht der kampflustige Doctor. »Heißt das als ein vernünftiger Mann gelebt
haben, wenn man, sterbend, das Liebste, was man auf der Welt hatte, in
Dürftigkeit und Armut hinterlässt? Und welches sind denn die großen Erfolge
einer so langen, opferfreudigen, heroischen Arbeit für das Gemeinwohl? Er hat
geglaubt, dieser Hohepriester der Humanität, sein Beispiel würde genügen, eine
