 - freilich, ich bin die Letzte, die sich über ihn beklagen sollte. Er hat
mir - Sie sind ein edler Mensch, Karlos! - an Ihren Busen werf' ich mich - er
hat mir Hoffnungen erweckt, die eine weniger starke Seele, als die meine,
schwindlig machen könnten. Eine Million zu erkämpfen, ist groß; sie wegwerfen,
ist göttlich - und Mutter dieses Kindes, das, denk' ich öfters, das müsste
himmlisch sein; aber was werden Sie sagen, dass ich nur immer von mir spreche;
was werden Sie Ihrem satyrischen Freunde sagen!«
    »Meinem satyrischen Freunde?«
    Fräulein Duff trat einen Schritt zurück, beschattete sich die Augen gegen
den Schein der Abendsonne mit der durchsichtigen Hand und sagte mit kokettem
Lächeln:
    »Karlos, Sie spielen falsch. Gestehen Sie, Sie wollen in dieser
Schlangenwindung mir entgehen! Es gibt nur Einen hier, auf den die Bezeichnung
passt, aber dieser Eine ist ein Riese - an Geist! Es ist immens! es ist sublim!
es hat mich wahrlich überwältigt! Und einen solchen Giganten nennen Sie Ihren
Freund, und Sie beklagen sich, dass Sie im Gefängnisse sind! O, mein Lieber, wer
möchte, um solche Freunde zu erwerben, nicht gern seine Freiheit gegen Ihre
Gefangenschaft umtauschen!«
    Fräulein Duff drückte ihr Taschentuch gegen die Wimpern und kreischte dann
laut auf, als sie sich hinterrücks festgehalten fühlte, und, sich umwendend,
Herminens Wachtelhündchen sah, das seine spitzen Zähne in den Saum ihres Kleides
geschlagen hatte und sie mit seinen großen, schwarzen Augen böswillig anstarrte.
In demselben Momente kam von verschiedenen Seiten die ganze Gesellschaft herbei,
so dass die Gouvernante in ihrem Kampfe mit dem kleinen, langhaarigen Ungetüm
plötzlich eine große Zuschauerschaft hatte. Ich bemühte mich, sie zu befreien,
und machte die Sache nur noch schlimmer, denn Zerline wollte nicht loslassen und
schüttelte und riss aus Leibeskräften; die Knaben taten, als ob sie mir helfen
wollten, und hetzten in der Stille; es konnte sich Niemand des Lächelns
enthalten; der Kommerzienrat lachte überlaut. Fräulein Duff blieb unter diesen
Umständen nichts übrig, als in Ohnmacht und Doctor Snellius, der, von dem Lärm
herbeigelockt, eben herantrat, in die Arme zu fallen.
    »Aengstigen Sie sich nicht, meine Herrschaften,« sagte der Kommerzienrat,
»das passiert ihr alle Tage dreimal!«
    »Barbar!« murmelte die Ohnmächtige mit blassen Lippen und richtete sich aus
den Armen des Doctors auf, der trotz seiner ihm nachgerühmten Sublimität in
diesem Augenblicke ein sehr hämisches Gesicht machte. Fräulein Duff versuchte
durch den Tränen-Nebel hindurch, der aus ihren wasserblauen Augen aufgestiegen
war, dem Spötter einen vernichtenden Blick zuzuwerfen, wies den angebotenen Arm
