 im letzten Augenblicke
verlassen, dass ich meine Hand gegen die wendete, die ich freiwillig zu meinen
Genossen gemacht, und als deren Mitschuldigen ich mich folglich betrachten
müsste.
    Der Director hatte mich ruhig sprechen lassen, nur dass er meine Hand, so oft
ich ihm dieselbe im Verlaufe meiner Beichte entziehen wollte, jedesmal mit
sanftem Drucke festhielt. Jetzt, als ich zu Ende, sagte er - und noch heute,
nach so vielen Jahren, wenn ich in der Nacht erwache, glaube ich seine Stimme zu
hören:
    »Lieber, junger Freund, nicht was uns unser Wähnen, Wollen, Wünschen als
möglich, ja notwendig erscheinen lässt; nicht was wir glauben, tun zu sollen
oder zu können, selbst nicht, was wir zu tun beschlossen haben, macht uns zu
dem, was wir sind, sondern was wir in dem gegebenen Augenblicke wirklich tun.
Der Feigling wähnt ein Held zu sein, bis ihn der Augenblick belehrt, dass er ein
Feigling ist; der mutige Mann klügelt sich aus, er wolle sich nicht in Gefahr
begeben, und stürzt sich, wenn der Ruf: Zu Hilfe! wirklich an sein Ohr schlägt,
kopfüber in die Gefahr. Sie glaubten, Ihre Hand erheben zu können gegen einen
Wehrlosen, und als Sie einen Wehrlosen in Mörderhand sahen, standen Sie auf für
den Wehrlosen gegen den Mörder. Und sagen Sie nicht, Sie hätten nicht gewusst,
was Sie getan! Oder wenn Sie nicht wussten, was Sie taten, so folgten Sie eben
dem unwiderstehlichen Triebe Ihrer Natur, waren Sie eben in diesem Augenblicke
erst recht - Sie selbst. Ich und die Meinen werden in Ihnen nun und immerdar den
sehen, der mir das Leben gerettet mit Gefahr des eigenen Lebens.«
    »Sie machen mich besser, unendlich viel besser, als ich in Wirklichkeit
bin,« murmelte ich.
    »Und täte ich das,« erwiderte er mit freundlichem Lächeln, »gibt es eine
höhere Wonne, als einen Menschen besser zu machen, als er ist? Aber Sie meinen,
ich nähme Sie für besser, und auch das würde ich mir gefallen lassen. Hat doch
selten Jemand so viel Gelegenheit als ich, zu erfahren, dass der sicherste, oft
der einzige Weg, einen Menschen besser zu machen, der ist, ihn für besser zu
nehmen. Wollte Gott, es würde mir, dies Geheimnis meines Handwerks anzuwenden,
in jedem Falle so leicht, wie bei Ihnen! Und kann ich wirklich dazu beitragen,
wie ich freudig hoffe, das edle Metall Ihrer Natur von den Schlacken zu
reinigen, mit denen sie vielleicht noch vermischt ist; kann ich helfen, Sie
selbst für sich aufzuklären, Ihnen den Weg Ihres Lebens, den Sie dunkel vor
