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sanft und traurig und fragten: Das könntest Du tun? Das auszudenken hättest Du
das Herz? Das auszuführen die Hand?
    Aber ich will frei sein, ich muss frei sein, schrie es in mir. Was kümmert
mich der Wahnsinn eurer Gesetze! Habt ihr mich zur Verzweiflung gebracht, nun
wohl, so könnt ihr von mir auch nur die Taten eines Verzweifelten erwarten. Aus
der Schule hierher - aus einem Gefängnisse in das andere! Ich habe die eine
Tyrannei abgeschüttelt, weil sie mir unerträglich war; soll ich mir diese
gefallen lassen, die so viel schwerer auf mir lastet? Und ich sollte der Gewalt
nicht mit Gewalt begegnen dürfen? Was würde der wilde Zehren tun, wenn er noch
lebte und seinen Liebling - denn das war ich - im Kerker wüsste? Er würde mich zu
befreien suchen, und sollte er das Gefängnis und sollte er die ganze Stadt an
allen Ecken anzünden, wie sie einst seinen Ahn aus dem Turme holten, die guten
Gesellen! Was er tun und wagen würde, ich werde es tun und wagen! Es kann mich
doch höchstens das Leben kosten, und dass man sein Leben lassen muss, wenn es
nicht mehr wert ist, gelebt zu werden - - der Wilde hat es mich gelehrt!
    So wühlte und tobte es in mir, als wäre eine Hölle in meiner Brust
entfesselt. Noch heute, nach so vielen Jahren, heute, wo ich freudigen und, so
viel an mir ist, reinen Herzens jeder Sonne danke, die sich über mir erhebt und
mir wiederum einen Tag ernster Arbeit und stillen Glückes im Kreise der Meinen
verspricht - noch heute bebt mir das Herz und zittert mir die Hand, mit der ich
diese Zeilen schreibe, die mir so lebhaft die Schrecken jener Nacht und jener
Zeit vergegenwärtigen, da der Jüngling einen Ausweg aus dem Labyrinth suchte, in
welchem er trostlos - verzweifelt umherirrte.
    Und werfe doch keiner einen Stein auf ihn, dass er so weit vom rechten Wege
abirren konnte! Wohl Dir, wer Du auch immer seist, dessen Stirn sich, indem Du
dies liest, in richterliche Falten zieht - wohl Dir, wenn eine glückliche
Mischung Deines Blutes Dich vor der blinden Wut tobender Leidenschaften
schützte, wenn eine weise Erziehung Dir frühzeitig einen klaren Blick in das
wirre Leben gab, den Weg Deines Lebens freundlich ebnete. Auch dann - und dann
gewiss! danke Deinem guten Stern, der Dir dies Alles gnädig gewährte, und
außerdem vielleicht selbst die Möglichkeit einer großen Verirrung von Dir
fernhielt! Und wo gebe es eine solche Möglichkeit nicht? Sie ist schließlich
immer vorhanden. So bete denn aus frommem Herzen, dass Du nicht in Versuchung
geführt werdest, dass Dir keine Nacht komme, wie die
