 muss, zu schwer auf Ihnen; ich würde, und wenn
ich mit Engelszungen redete, vergeblich nach einem Eingange zu Ihrem Herzen
suchen, das Zorn und Hass verschlossen halten. Ich bin nur gekommen, eine Pflicht
zu erfüllen, die mir mein Amt und, ich darf wohl sagen, mein Herz vorschreibt.
Und auch dies ist meine Pflicht, und Sie dürfen mir also frei antworten, ohne
fürchten zu müssen, dass Sie Ihrem Stolze etwas vergeben; haben Sie Wünsche, die
zu erfüllen in meiner Macht steht?«
    »Nein,« sagte ich mit Ironie, »denn einen Jagdtag auf den Haiden von
Zehrendorf könnten Sie mir doch wohl nicht gestatten.«
    Ein schwermütiges Lächeln spielte um die feinen Lippen des
Zuchthaus-Directors.
    »Ich habe gehört,« sagte er, »dass Sie mit meinem unglücklichen Bruder viel
auf der Jagd und selbst ein ausgezeichneter Jäger gewesen sind. Die Jägernatur
ist eine eigene Natur. Ich glaube sie zu kennen, denn ich bin auch wohl eine.
Aber auf den Höfen des Gefängnisses und selbst in den Gärten gibt es nichts zu
jagen. Urlaub habe ich selten und benütze ihn noch seltener; ich habe nach
dieser Seite vor meinen Gefangenen wenig voraus und will auch nichts voraus
haben. Da wäre ich nun übel daran, wenn zu der alten Leidenschaft die alte Kraft
noch reichte; und so ist es denn fast ein Glück für mich, dass sie mich 1813 in
der Schlacht bei Leipzig in die Lunge geschossen haben und mir die weitesten und
reichsten amerikanischen Jagdgründe nichts mehr helfen könnten. Ich habe seitdem
gelernt, auf einem engeren Felde in meiner Weise tätig zu sein. Meine liebste
Erholung ist an der Drehbank. Es ist eine leichte Arbeit und doch wird sie dem
Invaliden jetzt manchmal schon schwer. Wahrscheinlich werde ich in kurzer Zeit
auch darauf verzichten und mir noch eine bescheidenere Hantierung wählen
müssen. Nur gänzlich möchte ich nicht zur Untätigkeit verurteilt werden. Sie
wissen es jetzt noch nicht, aber Sie werden es noch lernen, wie ein großer Segen
für den Gefangenen eine mechanische Beschäftigung ist, die seine schweifenden
Gedanken auf ein Naheliegendes, leicht Erreichbares, unter seinen Augen, unter
seinen Händen Fertigwerdendes bannt und seine stockenden Säfte in heilsame
Circulation bringt. Und nun will ich Sie verlassen. Ich habe noch ein paar
Besuche und meinen allabendlichen Rundgang durch die Anstalt zu machen. Und noch
Eines: der alte Mann, der Sie bedienen wird, ist trotz seiner rauen Manieren
ein grundguter Mensch, den ich seit vielen Jahren kenne und der mir im Leben die
wichtigsten Dienste geleistet hat. Sie können ihm unbedingt vertrauen. Schlafen
Sie wohl und träumen Sie von der Freiheit, die Ihnen hoffentlich früher werden
wird, als Sie glauben.«
    Er
